
Man muss sich kurz verwundert die Augen reiben – dieser Film soll tatsächlich von Ken Russell sein, dem 2011 verstorbenen britischen Regie-Exzentriker, der großartige Filme drehte wie 1971 „Die Teufel“ oder 1974 „Tommy“? Aber auch spätere Filme aus den 1980ern wie „Der Höllentrip“ oder „Gothic“ zeigten den Willen Russells, die Tabugrenzen des Mainstreamkinos selbstironisch zu überschreiten und Themen wie Sexualität und Religion in möglichst provokanter Form zu behandeln, was seine Produktionen immer etwas problematisch machte. Zuletzt drehte er im eigenen Garten trashige Homevideos wie „The Fall of the Louse of Usher“ mit Aufblaspuppen, ein etwas würdeloser Karriereausklang für diesen einflussreichen-Regisseur. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Russell schon in den 1990er Jahren zunehmend Schwierigkeiten hatte, seine Projekte umzusetzen und sich deswegen auch als Auftragsregisseur ohne besondere künstlerische Ambitionen verdingte, um seine Miete zu bezahlen. Das dürfte auch die Existenz eines fürs Fernsehen produzierten und in Kanada gedrehten Films wie „Gejagt und in Ketten gelegt“ erklären, der jetzt das erste Mal auf DVD erschien, in passabler Qualität. Der weniger reißerische Originaltitel „Dogboys“ verweist auf die interessante, an „Graf Zaroff – Genie des Bösen“ und andere Menschenjagd-Streifen angelehnte Prämisse dieses Knastfilms, denn es geht um die historisch belegte Tatsache, dass etwa in Texas Häftlinge zum Training von Spürhunden eingesetzt wurden. Russell vermischte das mit einer etwas stereotypen Undercover-Story, in der dem sadistischen und korrupten Oberaufseher einer Strafanstalt das Handwerk gelegt werden soll. Auch wenn Russell kein künstlerisches Mitspracherecht hatte und einfach tat, was man ihm auftrug, kam dabei ein überdurchschnittlich inszenierter Actionfilm heraus.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #185 April/Mai 2026 und Thomas Kerpen