
Wer von Deutschland aus Anfang der 1990er die US-amerikanische Punk-Szene verfolgte, stieß auch auf THE GITS aus Seattle. Was relativ einfach war, denn ihr Label C/Z Records, ebenfalls in der sich gerade erst zum Zentrum des Grunge-Hype entwickelnden Stadt ansässig, war hierzulande gut vertrieben und THE GITS wie ihre Freund:innen und Labelmates 7 YEAR BITCH und HAMMERBOX begeisterten viele. Ihr Debüt „Frenching The Bully“ veröffentlichten THE GITS 1992, drei Jahre nachdem sie nach der gemeinsamen Zeit an der Kunsthochschule Antioch College in Ohio zusammen an die Westküste gezogen waren, um die 1986 gegründete Band einen Schritt weiter zu bringen. Die Reaktionen auf das Debütalbum waren euphorisch, die auch im Riot Grrrl-Kontext wahrgenommene Band hatte eine große Zukunft vor sich und arbeitete an ihrem zweiten Album, als Sängerin Mia Zapata am 7. Juli 1993 nachts auf dem Nachhauseweg vergewaltigt und ermordet wurde. Es war vorbei, bevor es richtig begonnen hatte. Sub Pop Records hat nun im Rahmen einer Rerelease-Kampagne alle Platten digital (wieder) verfügbar gemacht wurden: neben dem Debüt „Frenching The Bully“ (1992) sind das das nach Mias Tod erschienene zweite Album „Enter: The Conquering Chicken“ (1994) sowie „Kings & Queens“ (eine 1996 auf Broken Rekids veröffentlichte Sammlung von Aufnahmen aus dem Jahr 1988) und „Seafish Louisville“ (2000, Broken Rekids, unter anderem mit Live-Songs). Alle Aufnahmen wurden von Jack Endino überarbeitet, jener Produzentenlegende aus Seattle, der die Band damals schon kannte. Involviert in die Rereleases waren auch die damaligen Bandmitglieder Andy Kessler (gt, damals „Joe Spleen“) und Matt Dresdner (bs). Von diesen vier Platten hat nun allerdings nur „Frenching The Bully“ auch einen physischen Rerelease (LP, CD) spendiert bekommen. Wundervolle Musik, Punk mit einer guten Ladung Rock, über allem Mias prägnante und außergewöhnliche Stimme.
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