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GRADE 2

Talk About It

Behauptung: Streetpunk ist wie Folkpunk. Auf Streetpunk können sich alle einigen. Streetpunk kommt nie aus der Mode. Möchte irgendwer widersprechen? Eben. Und das liegt nicht nur an ewigen Helden und Ikonen wie RANCID. Es liegt vielmehr an denjenigen, die sich das Schaffen dieser stilprägenden Bands zum Vorbild nehmen, ehe sie die Zügel dann selbst in die Hand nehmen und losgaloppieren. GRADE 2 sind eine solche Band. Vor zwölf Jahren taten sich Frontmann Sid Ryan und seine Mitmusiker auf der Isle Of Wight zusammen, dachten nach eigener Aussage nicht mal im Traum daran, „überhaupt zwölf Monate zu überleben“ – und veröffentlichen nun mit „Talk About It“ ein Album, das dazu gemacht sein könnte, das Genre zumindest für die kommenden paar Jahre neu zu definieren. Warum das so ist, erklärt sich aus der Vergangenheit der Band: GRADE 2 hatten auf und abseits der Bühne zu tun mit den genannten RANCID, mit THE INTERRUPTERS, mit SOCIAL DISTORTION, mit DROPKICK MURPHYS. Wir alle wissen: Das ist die Crème de la Crème. Das Maximum. Die Obergrenze. Sie eröffneten zudem eine Hyde Park-Show für GUNS’N ROSES und stahlen den alt und schwerfällig gewordenen Musikern um Axl Rose wohl nicht nur so ein bisschen die Show. Sie gewannen das SLIPKNOT-Mastermind und Multi-Stimmwunder Corey Taylor – sonst eher als Metalhead bekannt – als Fan, der ihre Open-Air-Konzerte vom Rand der Bühne aus verfolgte. Sie wurden ins Roster des Qualität garantierenden Hellcat-Labels von Tim Armstrong (wieder mal: RANCID) aufgenommen. Kurzum sie erlebten alles, was man erleben muss, um sich als Welteroberer zu fühlen. Dazu kamen natürlich noch private Höhen und Tiefen sowie die chaotische Entwicklung der Weltlage. Für „Talk About It“ konnten sie all das, diesen ganzen Wahnsinn der Eindrücke, nun in Songs packen, die links und rechts das Beste aller musikalischen Einflüsse aufgreifen und exakt so klingen wie die vergangenen Jahre dieser Band, wie ein mitreißendes Sammelsurium aus allem. „Cut throat“, ihr Abgesang auf alles Schlechte und Miese an der Musikindustrie, der Herzschmerz-Song „Hanging on to you“, das „Ich fahre mein Leben gerade mit 100 Sachen vor die Wand und kann nichts daran ändern“-Stück „Crash and burn“, das geschmeidig-beschwingte „Talk about it“, das klingt wie BUSTER SHUFFLE auf Speed, „Don’t worry about me“ oder das introspektive, aufwühlend persönliche „Otherside“ sind Streetpunk-Hymnen, die an beste „... And Out Come The Wolves“-Zeiten erinnern. Und zwar ohne dessen Klang und Attitüde nur epigonisch nachzukläffen. Nein. GRADE 2 finden ihre eigene musikalische Wucht und inhaltliche Tiefe. GRADE 2 haben etwas zu sagen. Sie sagen es. Und sie tun es lustvoll bis zum Gehtnichtmehr und stets unter drei Minuten. Damit ist genug gesagt. Ab jetzt gilt: Reinhören!

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