Foto

HOLGER CZUKAY

Gvoon – Brennung 1

In den letzten Jahren wurde bei Grönland der Großteil des ab 1979 erschienenen Solo-Schaffens des im September 2017 verstorbenen CAN-Gründungsmitglieds Holger Czukay – nach der Auflösung der wegweisenden Krautrockband im Jahr 1978 –, neu aufgelegt. Hier wagte der Stockhausen-Schüler einen meist unberechenbaren Spagat zwischen dadaistischem Pop-Nonsens und an seine alte Band erinnerndem Improvisationsrock. Auf seinem zweiten Solo-Album „On The Way To The Peak Of Normal“ von 1981 wurde er beim Titeltrack von den Solinger „Punks“ S.Y.P.H. unterstützt, deren Album „Pst“ von 1980 Czukay produziert hatte, ­auch am selbstbetitelten Nachfolger von 1981 war der CAN-Bassist als Musiker und Produzent beteiligt. Bei „Gvoon – Brennung 1“, erschienen auf LP und CD, handelt es sich um verschollen geglaubte Tapes von Czukay, die dieser 1997 eingespielt hatte. Diese „Sound-Meditation“ liefert vor allem abstrakte Klanggebilde in Ambient-Manier, bei der normale Songstrukturen komplett aufgelöst wurden. Das geht in eine ähnliche Richtung wie Czukays in den CAN-Studios aufgenommene Zusammenarbeit mit dem ehemaligen JAPAN-Sänger David Sylvian in den Jahren 1988 und 1989, „Plight & Premonition“ und „Flux + Mutability“. Doch gegen diese sehr kunstvollen, vielschichtigen und melodischen Soundscapes wirkt „Gvoon – Brennung 1“ deutlich düsterer und disharmonischer und auch insgesamt weniger reizvoll, vergleichbar mit den späteren Ambient-Experimenten von THROBBING GRISTLE.

Anzeige