
Was für ein Comeback! Mit „Dissenter“ beweisen HASTE THE DAY, wie gut sich der 2000er-Metalcore ins Jahr 2026 übersetzen lässt. Die Band, die in der Primetime von 2001-2011 teil der Szene war, dann nochmal für zwei Jahre ab 2014, ist mit ihrem ersten Album seit 2015 wieder zurück, ein Wagnis, wenn man bedenkt, wie sehr sich der Sound von Metalcore seit- dem verändert hat. Das Album klingt etwas nostalgisch, dennoch modern, vor allem aber energetisch, brachial und voluminös. Auch die natürliche Produktion aus der Hand von Frontmann Stephen Keech ist eine entsprechende Hommage. Obendrein sorgt seine hinzugewonnene Erfahrung mit Filmmusik für einen atmosphärischen Sound, ohne dass es jemals ins Kitschige abrutscht. „Ich bevorzuge es echt und aggressiv“, bestätigt uns Stephen im Interview. Gitarrist Scott Whelan, der inzwischen stärker ins Songwriting involviert ist, schrieb etwa „Shallows“ an nur einem Abend und kombiniert hier schonungslose Härte mit einem epischen Refrain. Ebenfalls mit dem Refrain überzeugt „Adrift“, eine traumhafte Rock-Ballade zum Dahinschmelzen, die nach tippelnden Clean-Gitarren eine ungeahnte Größe entfaltet. Die Lyrics steuerte Gitarrist Dave Krysl bei, Themen sind seine Adoption und das Gefühl, von der eigenen Geschichte entkoppelt zu sein. Wie die Faust aufs Auge passt auch „Liminal“ mit SILENT PLANET, deren Sänger Garrett Russell bei Stephen um die Ecke wohnt. „Dissenter“ soll dazu anregen, Abläufe und Entwicklungen im Leben zu hinterfragen, ob politisch oder gesellschaftlich – und liefert dazu einen bewegenden Soundtrack. Schon jetzt eines der stärksten Metalcore-Alben des Jahres.
© by Fuze - Ausgabe #118 Juni/Juli 2026 und Jeannine Michèle Kock
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