
„ Heimat“ ist das zehnte Album der Metalcore-Band HEAVEN SHALL BURN aus Thüringen. 1995 gründeten sie sich unter dem Namen BEFORE THE FALL, benannten sich dann in CONSENSE um, bis sie sich 1998 final auf HEAVEN SHALL BURN festlegten. Von Konsens könnte die Band auch nicht weiter entfernt sein. Über die Jahre haben sie sich einen international geschätzten, unverkennbaren Sound erarbeitet, der durch seine Kompaktheit und Prügelstrecken besticht, die jedem Mainstream-Fuzzi vor die Füße spucken. Auf das Treppchen der Charts schaffen sie es trotzdem mit den letzten drei Platten, mit „Of Truth And Sacrifice“ (2020) sogar erstmals an die Spitze. Das liegt daran, dass sie ihre Fans nicht nur für die Musik, sondern auch für die Texte und noch mehr für die Taten schätzen. HEAVEN SHALL BURN sponsorn Fußballvereine, setzen sich für Tierrechte ein, unterstützen Sea Shepherd und spielen bei Jamel rockt den Förster. Das alles könnten smarte Marketing-Moves sein, wenn sie nicht auch im Alltag ihren Menschenverstand und ihre Kraft für gute Dinge einsetzen würden. Es kickte schon anders, als Sänger Marcus Bischoff während der Pandemie aus der Sicht eines aktiven Gesundheits- und Krankenpflegers berichtete und darum bat, die Situation ernst zu nehmen. Die neue Platte trägt den Titel „Heimat“, ein Begriff, über den es sich zu diskutieren lohnt. HEAVEN SHALL BURN stellen dessen Ursprung infrage und fordern alle auf, sich mit ihren eigenen Werten, Wurzeln und vor allem ihrer geistigen Heimat auseinanderzusetzen. Musikalisch mit „Heimat“ besinnen sich HEAVEN SHALL BURN eindeutig auf ihre eigenen Anfänge. Eingerahmt von den klassischen Stücken „Ad arma“ und „Inter arma“, unterstützt vom MONDËNA QUARTET und dem ukrainischen SOPHIA CHAMBER CHOIR, ist jeder einzelne Song ein unerbittliches, hartes Bollwerk. Die Gitarrenmelodien sind größtenteils untergeordnet oder setzen bittere Noten („Empowerment“). Bassist Eric ist in das Songwriting verhältnismäßig wenig eingebunden, aber mit seinem Beinahe-Fanblick ist er dafür zuständig abzusichern, dass die Songs ordentlich scheppern. Was er im Fall von „Heimat“ abgenickt hat, übererfüllt die Kriterien beinahe. Der brachiale Opener „War is the father of all“ ist wahrscheinlich das komplexeste Stück auf der Platte, nimmt viele Abzweigungen und wiegelt ordentlich auf. Fernab von jeglicher Stumpfheit halten HEAVEN SHALL BURN aber danach alles so straff wie möglich. Das überfährt einen beim ersten Durchlauf sogar, erweist sich aber nach mehreren Begegnungen als angenehm kathartisch drückend. Gemischt und gemastert wurde wieder von Tue Madsen, der die Stärke der Band einmal sehr gut zusammenfasste: HEAVEN SHALL BURN stehen mitten im Leben und veröffentlichen ohne Druck nur dann, wenn sie etwas zu sagen haben. Das spürt man, das überzeugt.
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