
Auch auf ihrem vierten Album bleiben sich HOLDING ABSENCE treu: viel Pop, elektronische Beats, ein paar heavy Elemente, wenige Screams, dafür große Rock-Refrains – und die stehen den Walisern unheimlich gut. „Das Album wurde geschrieben, um in Arenen gespielt zu werden“, erklärt uns Sänger Lucas Woodland im Interview. Und dennoch nimmt sich „Modern Life Is Lonely“ Zeit: Lange Intros, stufenweise Build-ups und Interludes wie das akustische „Shells like us“ wirken entschleunigend. Eine Platte, die eine wunderbare Auszeit von unserer schnelllebigen Welt bietet. Inhaltlich geht es nämlich genau darum: um Reizüberflutung durch Digitalisierung, den Verlust von Menschlichkeit und echter Verbindung. Spannend, dass „Modern Life Is Lonely“ dabei ziemlich glatt klingt und somit erstaunlich unnahbar wirkt – nicht zuletzt ein Ergebnis der polierten Produktion. Aber auch die ist eben typisch für HOLDING ABSENCE. Anspieltipps? Wer die Band noch nicht gut kennt, sollte sich an „Heaven“ versuchen, ein epischer, emotionaler, super moderner Track. Wer bereits Fan ist, hört unbedingt in „Kyoto snow“ rein – der könnte ein Fan-Favourite werden, meint auch Lucas in unserem Gespräch. Beide Songs haben diese großen Refrains. Doch trotz Größe und Qualität, überwältigt wird man von diesem Album nicht. Und eigentlich ist das genau richtig so, denn Reizüberflutung gibt es in unserer Welt ja schon genug.
© by Fuze - Ausgabe #82 Juni/Juli 2020 und Christian Heinemann
© by Fuze - Ausgabe #87 April/Mai 2021 und Arne Kupetz
© by Fuze - Ausgabe #101 August/September 2023 und Rodney Fuchs
© by Fuze - Ausgabe #119 August/September 2026 und Jeannine Michèle Kock
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