
Solo-Platten von Frontmännern oder -frauen geschätzter Bands müssen nicht zwangsläufig zu ähnlichen Glücksgefühlen wie die Arbeiten der Hauptband führen, möglich ist es aber. So wie im Fall von Cory Hanson, der mit seiner in Los Angeles ansässigen Band WAND mitreißenden und facettenreichen Neo-Psychedelic spielt. Dieser ständige Wettstreit zwischen Pop, Folk und Rock, eine Art Vintage-Americana-Modernität, findet sich auch auf den Platten, die Hanson unter eigenem Namen veröffentlicht und auf denen er traditioneller als bei WAND unterwegs ist, unter Verzicht auf allzu ausgeprägte Psychedelic-Elemente. Hanson spielt auch auf seinem vierten Album – mit dem irgendwie ironisch klingenden Titel „I Love People“ – mit einer ganzen Palette unterschiedlicher Einflüsse. Westcoast-Pop paart sich mit Southern-Rock, Jazz und BEATLES-Harmonien in einem countryesken Kammerpop-Gewand (Neil Young zu „Harvest“-Zeiten nicht unähnlich) und bildet die perfekte Grundlage für Hansons smartes Songwriting, dessen extrem eingängige Stücke niemals aufdringlich wirken oder im Kitsch absaufen. Darunter eine wunderschöne Liebeserklärung an New York City und den VELVET UNDERGROUND-Frontmann namens „Lou Reed“. Wie schon auf „Western Cum“ von 2023 erweist sich Hanson bei „I Love People“ als extrem wandlungsfähiger Singer/Songwriter, der hier auf seine WAND-Mitstreiter Evan Backer, Evan Burrows, Robbie Cody und Cellistin Emily Elkin zurückgreifen konnte.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Thomas Kerpen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #168 Juni/Juli 2023 und Thomas Kerpen