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FLESH EATERS

I Used To Be Pretty

Der unterschätzte Drive-In-Streifen „The Flesh-Eaters“ von 1964 ist ein perfekter Namensgeber für die gleichnamige, 1977 in Los Angeles gegründete und ebenfalls unterbewertete L.A.-Punkband, die wie die musikalische Entsprechung eines B-Movies klang, leidenschaftlich und dreckig zugleich und ausgestattet mit einem manischen Frontmann.

Den bezeichnete Steve Wynn von THE DREAM SYNDICATE in diesem Heft mal als Dr. Jekyll und Mr. Hyde-Persönlichkeit, die auf der Bühne zum wilden Tier wird. Besagter Chris D. beziehungsweise Desjardins war aber mehr als nur Frontmann der THE FLESH EATERS, die 1980 ihr Debütalbum „No Questions Asked“ veröffentlichten, sondern hatte auch in anderer Hinsicht Einfluss auf die Punk-Szene von Los Angeles.

Zum einen durch sein Label Upsetter Records, zum anderen als Produzent, denn D. produzierte nicht nur die Platten der THE FLESH EATERS selbst, sondern war auch an „Fire Of Love“ von THE GUN CLUB beteiligt und an „The Days Of Wine And Roses“ von THE DREAM SYNDICATE.

Darüber hinaus zeigte sich auch immer Desjardins’ Begeisterung für den Bereich Film, so arbeitete er einige Jahre für die American Cinematheque in Los Angeles und wurde schließlich zum gefragten Kenner des japanischen Yakuza-Films.

2004 erschien das bis dato letzte THE FLESH EATERS-Album „Miss Muerte“, 2015 gab es in Ox-Ausgabe #121 sogar ein umfangreiches Interview mit D. Von einem neuen Album war damals aber nicht die Rede, auch wenn die Band in den Staaten sporadisch immer wieder live auftrat.

Mit „I Used To Be Pretty“ gibt es jetzt überraschend doch noch ein neues Werk der THE FLESH EATERS, bei dem Desjardins einige Veteranen der damaligen L.A.-Punk-Szene hinzuzog, wie John Doe und D.J.

Bonebrake von X und die THE BLASTERS-Mitglieder Dave Alvin, Bill Bateman und Saxophonist Steve Berlin, der ab 1984 bei LOS LOBOS spielte. In dieser Besetzung wurde schon das zweite THE FLESH EATERS-Album „A Minute To Pray A Second To Die“ von 1981 eingespielt, das für viele eines der besten der Band ist.

Ebenfalls bei fünf Stücken zu hören ist Desjardins’ Ex-Ehefrau Julie Christensen, die schon auf früheren Platten von THE FLESH EATERS und DIVINE HORSEMEN seine Gesangspartnerin war. Auf „I Used To Be Pretty“ ist die alte Leidenschaft von Desjardins’ punkigem „roots rock voodoo blues“ gut spürbar, enttäuschend ist eventuell, dass sechs der insgesamt elf Stücke nur Neueinspielungen alter THE FLESH EATERS-Songs sind, hinzu kommen noch drei Coverversionen: „The green manalishi“ von FLEETWOOD MAC, „Cinderella“ von THE SONICS und „She’s like heroin to me“ von THE GUN CLUB.

Dafür ist der tolle 13-minütige Track „Ghost cave lament“ neu, eine Verbeugung vor „The end“ von THE DOORS und ein perfekter Abschluss für eine gelungene Reanimation dieser zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Band.