
Wenn man die Platte nur nach ihrem Cover bewerten würde, gäbe es kaum eine andere Meinung als „Setzen, sechs!“. Aber auch durch eine schlechte Aufmachung kann man sich positionieren. Lasst euch also nicht von diesem Produkt des schlechten Geschmacks beeinflussen, der Inhalt zählt. Mit JUICY ROADKILL kommt nämlich ein ganz heißes Eisen aus dem Underground, das es anzuchecken gilt. Das Quartett aus dem Großraum Frankfurt wirft mit „Get Off My Nuts“ ein hörenswertes Album auf den Markt. Der Titeltrack ist ein hervorragend gewählter Opener, macht er doch sofort klar, wohin die Reise geht: auf schneller Fahrt quer durch verschiedene Musikstile. Das Grundkorsett der JUICY ROADKILL’schen Ausrichtung besteht aus melodischem Punkrock, was aber immer wieder von anderen Genres durchkreuzt wird. So überrascht der Titeltrack durch einen Reggea-artigen Part, der an Großmeister wie NOFX oder WIZO erinnert. Ähnlich wie beim Riff zu Anfang von „Social skills“, bei dem THE OFFSPRING Pate gestanden haben. Abwechslung wird auf „Get Off My Nuts“ großgeschrieben, so dass beim Hören (zumindest bis weit in die zweite Albumhälfte) kaum Langeweile aufkommt. So kommt „I need that“ mit den Schrebbelgitarren fast schon progressiv rüber, ähnlich wie „New status quo“. Vor allem Frontfrau Lisa macht hier eine gute Figur, denn ihre Stimme passt hervorragend zum musikalischen Output. Insgesamt sind auf dem neuen Album zwölf Stücke zu finden, wobei JUICY ROADKILL auch einige ältere Titel neu eingespielt haben, die auf den Singles „Work“ sowie „Violence“ vor knapp zwei Jahren erstmals zu hören waren. Am Ende der zweiten Albumhälfte wird man mit einem kleinen Durchhänger konfrontiert, denn Überraschung und Abwechslung zünden dann nicht mehr so wie anfangs. Trotzdem nehmen sie mit dem Rausschmeißer „Use your privilege“ noch einmal mächtig Fahrt auf und präsentieren einen starken Song am Ende. Summa summarum sollte jeder Punkrock-Fan hier mal reinhören. Es lohnt sich, denn JUICY ROADKILL haben mit „Get Off My Nuts“ ein wirklich gelungenes Album veröffentlicht, das viele tolle Stücke enthält. Live wird die Band bestimmt auch überzeugen, denn viele Songs sind wie gemacht für ausgelassenes Tanzen und Pogen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #169 August/September 2023 und Christoph Siart
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Benjamin Korf