
Gegensätze ziehen sich an – das könnte die Überschrift des neuen Solo-Albums „Alles“ von KALIPO sein, das die Persönlichkeit des Musikers eindringlich mit der dunklen Materie melancholischer Tanzmusik verschmelzen lässt. Mit dem Electro-Punk seiner alten Kapelle FRITTENBUDE hat das nur noch am Rande zu tun, die Beats sind kühler, treibend und auf „Alles“ setzt er auch mehr auf den Gesang als bei seinen zuvor veröffentlichten Alben. Trotz aller Anzeichen von Aufbruch und Abgesang geben antiquierte Rhythmusmaschinen den Groove vor, ohne die Kontrolle zu verlieren, synthetische Bässe fordern zum modernen Rave in der Goth-Punk- und Minimal-Disco auf und die nötige Tiefe bringt seine Lakonie und Nostalgie verbreitende Stimme ausreichend mit. Gitarrenriffs zeigen den Hoffnungsschimmer auf, klassischer Gesang gesellt sich zu einer gewissen Clubtauglichkeit, in die Knochen steigende Beats und Sinn machende Viervierteltakte bringen alles auf den Punkt, das der hier als Produzent, Songwriter und Performer agierende Musiker aus der dunklen Diskothek in eine erträgliche Helligkeit rückt. Die Summe der Einzelteile enthält nicht nur in Landessprache verfasste Texte, sondern wartet mit englischen, in einem konkreten Fall mit französischen Lyrics auf und zum Abschluss leiht Nina Nails „Vantablack“ ihre Stimme.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #183 Dezember 2025/Januar 2026 2025 und Nico Pfüller