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KIM DEAL

Nobody Loves You More

Das erste Solo-Album im Alter von 63 Jahren? Warum nicht? Schließlich kann Kim Deal sich dabei in mehr musikalischen Richtungen ausprobieren als in „ihren“ Bands, wie zum Beispiel PIXIES und THE BREEDERS. „Nobody Loves You More“ ist zugleich eine der letzten Arbeiten des schon zu Lebzeiten legendären Produzenten Steve Albini, der unerwartet im Frühjahr 2024 verstarb. Die elf Lieder entstanden in einem Zeitraum von zwölf Jahren. Einige Tracks sind vor längerer Zeit auf fünf verschiedenen 7“-Vinyls erschienen und wurden für das Album bearbeitet und neu produziert. Es werden ganz unterschiedliche Lebensabschnitte und Themen angesprochen, wobei besonders der Text von „Are you mine?“ interessant ist. Das ruhigste und melancholischste Lied der Platte behandelt die Demenz-Erkrankung von Kim Deals Mutter. Zeilen wie „Everything is new ... and nothing is true“ klingen aufgrund des Contents ziemlich doppeldeutig. Generell ist „Nobody Loves You More“ tendenziell ruhig, aber vom ersten Moment an als ein Werk von Kim Deal erkennbar, was an ihrer Stimme und dem typischen warmen Gitarrenklang liegt. Da stellt sich gleich die Frage, ob Steve Albini bei den Aufnahmen möglicherweise rumänische 1980er-Jahre-Mikrofone oder Ähnliches an den Stuhlbeinen befestigt hat. Nur wenige Sekunden sind vom ersten Lied vergangen, schon gibt es kapriziöse Streicher zu hören, zu denen sich kurz darauf ein Blasorchester gesellt. Die Arrangements schlagen Haken und den geneigten Hörern ein Schnippchen, weil sie häufig in unerwartete Richtungen gehen. Hier ist nicht unbedingt erkennbar, ob und wie weit Ironie im Spiel ist. Bei dem Winterferien-Lied „Summerland“ klingen die Geigen dagegen akkurat nach Spiegelkugel und Ballroom. Dürfen weitere Experimente folgen? Zum Beispiel eine Ukulele? Ein Synthie, der Heavy-Metal-Rhythmen und Klänge beinahe in einen Dance-Track verwandelt („Crystal breath“)? Ein anderthalbminütiges Fast-Instrumental namens „Bats in the afternoon sky“, bei dem die Gitarren anscheinend gegen Wände laufen? Nur zu. Im Interview in dieser Ausgabe erzählt Kim Deal, dass Bandkolleginnen ihre musikalische Offenheit nicht immer zu goutieren wissen. Neben einigen anderen Mitstreiter:innen von den großartigen SAVAGES oder TEENAGE FANCLUB sind ihre Bandmates, unter anderem Schwester Kelly, dennoch mit an Bord. In dem Fall, das sie Kims Experimentierfreude nicht immer goutieren, gefällt ihnen vielleicht „Discobedience“ und „Wish I was“ besser. Denn das Album enthält auch einige Lieder, die musikalisch wie auch atmosphärisch durchaus von einem der fünf THE BREEDERS-Alben sein könnten. „Nobody Loves You More“ ist eine große musikalische Wundertüte für Fans von Kim Deal sowie ihrer Bands AMPS, PIXIES und THE BREEDERS. Der schöne Song „Cool as Kim Deal“ von THE DANDY WARHOLS behält seine Gültigkeit.

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