
Die Edition Tiamat überzeugt durch auch für interessierte Laien gut lesbare wissenschaftliche Bücher. Dieser Sammelband enthält 20 Beiträge zum Konflikt zwischen Israel und Palästina mit Schwerpunkt auf den Entwicklungen nach dem Massaker der Hamas am 07.10.2023. Norman J.W. Goda behandelt die Genozidvorwürfe gegen Israel im Gazakrieg und wie sich diese durch die Historie des Nahostkonflikts ziehen. Er argumentiert anhand von Opferstatistiken und Propagandastrategien der Hamas gegen eine moralisch-emotionale Verwendung des Begriffs, dessen juristische Einordnung noch aussteht. Eva Illouz bearbeitet den Unterschied zwischen Kriegsverbrechen und Völkermord und plädiert mit sechs Thesen für eine Versachlichung der Diskussion und dafür, nicht der öffentlichen Meinung, sondern Gerichten eine Urteilsfindung zu überlassen. Richard Schuberth dröselt zynisch, aber treffend Ursachen für die Faszination in Teilen der Linken für die Hamas als klerikal-faschistische Organisation auf. Jeffrey Herf argumentiert in eine ähnliche Richtung, wenn auch sachlicher. Der für mich interessanteste Beitrag kommt von Klaus Bittermann. Er zeichnet Ursprünge, historische Entwicklung und aktuelle Erscheinungen des linken Antisemitismus nach. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf der Geschichte der Bundesrepublik und der Spaltung der deutschen Linken bis hin zur Gründung der RAF und der Zusammenarbeit antisemitischer Linker und arabischer Terrorist:innen. Ein erhellender Input in Zeiten, in denen sogar Bands wie MDC Shirts mit dem Konterfei der Flugzeugentführerin Leila Khaled verkaufen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #185 April/Mai 2026 und Daniel Buchenauer