
Wenn „Krautrock“ diesen muffigen Geruch verliert, dann liegt die dritte KRATZEN-LP auf dem Plattenteller. Repetition als Mittel, Abwechslung in kleinen Dosen als Highlights und zwischendrin drei Gänge hochschalten, weil man zwar gerne mal schlendern kann, aber nicht dauernd will. Irgendwie bilde ich mir gerne ein, dass hier viele uneingelöste Versprechen von RHEINGOLD, die ich sehr verehre, real werden oder KRAFTWERK zwischen „Radio-Aktivität“ und „Computerwelt“ heimlich ein paar Platten mit herkömmlichen Instrumenten aufgenommen haben. NEU! grüßen ebenfalls lässig über den Zaun der Gartenlaube. Natürlich Wunschvorstellung, passt aber in den Soundkosmos, der mit „III“ auf eine so wunderbare Weise vor einem ausgebreitet wird. Hier eine Gitarrenmelodie, dort ein Klavier, bei manchen Songs eine männliche, bei andere eine weibliche Stimme oder beides im selben. Wie ein feines Uhrwerk laufen die Stücke am inneren Auge vorbei, pure Perfektion, nichts stört den Genuss, kein Gitarrist, der unbedingt ein Solo spielen muss, keine Drumfills, kein Gramm zu viel, kein Gramm zu wenig. Jeder einzelne Ton sitzt, jeder befindet sich an der Stelle, die für ihn bestimmt ist. Perfektion in seiner schönsten Vollkommenheit, glasklar und ohne jeden Makel. Musik, bei der ich das Licht ausmachen und all den Dreck da draußen komplett ausblenden kann. In diesen Momenten bin ich zufrieden und eins mit der Musik.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Kalle Stille
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #154 Februar/März 2021 und Kalle Stille
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #164 Oktober/November 2022 und Kalle Stille