Foto

ELL

Langweilig

Lisa-Anna und Lennart stecken hinter dem Duo, das seinen Sound selbst mit Krach-Pop beschreibt und damit goldrichtig liegt. Lasst uns aber noch Blues, eine Prise NDW und Rock hinzufügen. Ihre kritischen Texte verpacken sie mit Humor und einem nach vorne drängenden Unterton in jeder einzelnen Sekunde. Die Anliegen sind gleichermaßen zeitlos wie aktuell („Salzstreuerin“). Es geht darum, sich freizuschwimmen und sein eigenes Ding zu machen. Manche Vergleiche sind formelhaft, andere wiederum scharfsinnig und ohne Ballast auf den Punkt gebracht. Lisa-Anna hat eine Wahnsinnsbandbreite, kann in „Lauf los“ einen langsam anschwellenden Song tragen, unmissverständlich gedankliche Randale anzetteln („Tiefgarage“), aber auch im massiven „Deal“ mit der starken Riff-Drum-Wand ins harte Duell gehen. Was ELL von anderen abhebt und ihnen sogar den Weg ins Formatradio ebnen könnte, ist ihre absolut beeindruckende Präsenz. Durchweg ist klar, dass sie ihre Musik als aus dem Bauch gespielte Statements ihrer Persönlichkeit verstehen, damit etwas auslösen und mit ihren Texten ihren Beitrag zur Debatte leisten möchten, wie in „Mein Körper, meine Entscheidung“ mit Kim Hoss. Dabei wirken sie trotzdem locker und nicht verbissen – es fehlt nur noch der Hit. Das Zeug dazu haben sie und live ist das auf jeden Fall alles andere als „Langweilig“.

Anzeige