
„Something for everybody, or perhaps, nobody!“ So steht es auf dem Coversticker und die Aussage ist so gnadenlos ehrlich, dass man kaum was hinzufügen kann. Vor Jahrzehnten gab es mal das wegweisende Buch „Incredibly Strange Music“ (ein Thema, über das man lange mit Jello Biafra reden kann), und ins Lager der Musikgruppen, deren Output man letztlich kopfkratzend gegenüber steht, gehören auch LORDS AND LADY KEVIN. Als Pandemie-Projekt gestartet, gibt es von ihnen ein paar Lathe-Cut-Releases, hinter dem Namen versteckt sich die Schlagzeugerin und Künstlerin Mow Skwoz alias Gina Skwoz, die mit bürgerlichem Namen Gina Rutmanis heißt ... und damit kommen wir der Sache mit dem Pandemie-Projekt schon näher. Der Kevin aus dem Bandnamen hat nämlich auch den Nachnamen Rutmanis, und yep, das ist der Kerl, den man einst mit den COWS kennen lernte und der später bei MELVINS und TOMAHAWK wieder auftauchte. Als Mitglieder eines gemeinsamen Haushalts konnte man auch im Lockdown musizieren. Und apropos TOMAHAWK: von da ist man wiederum schnell bei MR. BUNGLE und FANTÔMAS und damit bei Dunn – Trevor Dunn. „There are no limits on what we’re willing to do, although that doesn’t guarantee good results“, lässt der sich zitieren, und das beschreibt das Musikalische auf dieser blutroten LP hinreichend. Es ist ein wildes, ungestümes, improvisiert wirkendes Musizieren mit ergänzenden Vokalparts, meist gesprochen – unglaublich seltsam und das maximale Gegenteil von Powerpop. Wer vor Dissonanzen, wirrer Rhythmik, abrupten Stilwechseln zurückschreckt, wem schon FANTÔMAS und TOMAHAWK zu wild waren, der wird auch hier kein Hörvergnügen empfinden. Alle anderen ... Kopfsprung!
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Joachim Hiller