
LEAVES aus Münster klingen nach feuchten Kellern, offenen Herzen und halb leeren Zigarettenschachteln – und das ist grandios! Entstanden aus Musikern, die so auch mal bei IDLE CLASS zusammengespielt haben, loten sie die Zwischenräume zwischen Punk-Erbe und Melancholie aus. So treffen sie diesen Punkt, an dem Nostalgie nicht rückwärtsgewandt, sondern tröstlich ist. Dabei ist es vor allem der zweistimmige Gesang, irgendwo zwischen brüchigem Bekenntnis und jugendlicher Aufbruchstimmung, der eine Schönheit in sich trägt, die stark an die frühen 2000er erinnert, als ATTACK IN BLACK oder die WEAKERTHANS noch den Soundtrack zum Erwachsenwerden lieferten. LEAVES greifen den Faden genau an dieser Stelle auf. „Most Of Our Days“ klingt ehrlich, unaufgeregt, aber versehen mit einer Dringlichkeit von Leuten, die wissen, dass jede Melodie auch eine Erinnerung wird. Dabei hält sich die Band an schlichte, aber kluge Arrangements, die antreiben aber nie hetzen. Dieses Album ist kein großes Statement, eher ein ehrliches Dokument, das zeigt, dass Punk auch erwachsen werden darf, ohne den Knoten im Bauch zu verlieren.
© by Fuze - Ausgabe #98 Februar/März 2023 und Steffen (LEAVES)
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #183 Dezember 2025/Januar 2026 2025 und Sebastian Wahle
© by Fuze - Ausgabe #90 Oktober/November 2021 und Sebastian Koll