
Man muss schon ein unverbesserlicher 1980er-Jahre-Nostalgiker sein, um einer immer noch existierenden Band wie WANG CHUNG, die damals mit „Hits“ wie „Dance Hall Days“ nervte, etwas abgewinnen zu können. 1985 veröffentlichten sind dann das Album „To Live And Die In L.A.“ mit den von ihnen geschriebenen Songs für William Friedkins Film „Leben und Sterben in L.A.“. Ein Jahr zuvor hatte man bei David Lynchs „Der Wüstenplanet“ bereits den Fehler gemacht, eine fürchterliche Band wie TOTO für den Soundtrack zu verpflichten. Auch die Wahl von WANG CHUNG kann nur dem damaligen Zeitgeist geschuldet gewesen sein. Für „Sorcerer“ hatte Friedkin 1977 TANGERINE DREAM engagiert, die auch für „Leben und Sterben in L.A.“ passend gewesen wären. Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Gerald Petievich, der zusammen mit dem Regisseur das Drehbuch schrieb, kehrte der 2023 verstorbene Friedkin hier auf gewisse Weise zu den Themen seines grimmigen oscarprämierten Klassikers „Brennpunkt Brooklyn“ von 1971 zurück, in dem ein hasserfüllter, desillusionierter Cop (Gene Hackman) bereit ist, alles für den Erfolg seiner Polizeiarbeit zu tun. William Petersen, der ein Jahr später in Michael Manns Thomas Harris-Adaption „Blutmond“ ebenfalls einen ungewöhnlichen Ermittler spielte, ist zwar ein anderer Typ als Hackman, aber ebenfalls besessen davon, einen skrupellosen Geldfälscher (ein großartiger Willem Dafoe) mit allen Mittelen, legal oder illegal, zur Strecke zu bringen. Rein visuell könnte „Leben und Sterben in L.A.“ auch ein Film von Michael Mann sein, kann aber in Sachen Härte und Zynismus durchaus an „Brennpunkt Brooklyn“ anknüpfen. Für manche sogar der ultimative Action-Thriller der 1980er Jahre, der jetzt in einer gelungenen 4K-Mediabook-Edition mit UHD-Disc und Blu-ray neu aufgelegt wurde, mit dem Bonusmaterial der Edition von 2018.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #185 April/Mai 2026 und Thomas Kerpen