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A CERTAIN RATIO

Live In America

Dieses 1985 in den USA aufgenommene Live-Album wurde zuerst als Musikkassette auf Gigs Mitte der 1980er verkauft. 1987 folgte dann auch eine LP-Version. Diese stellt quasi das fehlende Glied in der schon 2017 von Mute gestarteten Wiederveröffentlichung des Gesamtwerks von A CERTAIN RATIO dar, die parallel dazu als Band mit einigen neuen Platten einen bemerkenswerten kreativen zweiten Frühling erlebten. Gestartet war man ähnlich wie JOY DIVISION Ende der 1970er in Manchester im Umfeld von Post-Punk und veröffentlichte 1980 das erste Album „The Graveyard And The Ballroom“ bei Factory, dem einflussreichen Label ihrer Heimatstadt. Das war auch fortan die Heimat von ACR, bis sie 1989 und 1990 mal kurz bei A&M Records landeten. Zu diesem Zeitpunkt war aus dem früheren nervös-fiebrigen Post-Punk, der THE POP GROUP nicht unähnlich war, längst ein deutlich kommerziellerer Latin-Pop-Jazz-Funk geworden. Exotische Außenseiter blieben ACR in ihrer Frühzeit immer, wobei ihre stilistische Wandlungsfähigkeit es ihnen sicher nicht leichter machte, sich eine echte Fanbase zu schaffen. 1986 erschien ihr in meinen Augen schönstes Album „Force“, wo Bassist Jeremy Kerr den Gesang übernahm. Hier waren sie mehr NEW ORDER als JOY DIVISION und verbanden auf extrem smarte Art melodischen Pop mit kantigem Post-Funk. Dementsprechend ist auch kein Track davon 1985 auf „Live In America“ zu finden, aber in welche Richtung ACR klanglich ein Jahr später gehen würden, ist hier gleich beim wunderschönen Opener „Sounds like something dirty“ (ursprünglich nur eine Single-B-Seite) gut zu hören. „Live In America“ dokumentiert sehr gut die Live-Qualitäten dieser unterbewerteten Band und krankt nur an einem etwas dünnen Sound.

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