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SAINTS

Long March Through The Jazz Age

Am 27. März 2013 war Chris Bailey mit seinem Soloprogramm zu Gast in der Cobra in Solingen. Ich erinnere mich, wie wir danach noch lange um ihn herumstanden, während er, auf einem Barhocker an der Theke sitzend, Geschichten aus seinem Leben mit THE SAINTS erzählte. Die gründeten sich zwar schon 1973 im australischen Brisbane, feierten ihre ersten Erfolge aber in England im Punkrausch des Jahres 1976, als im September ihre Debüt-Single „(I’m) Stranded“ erschien. Lange Zeit war sein wichtigster Mitstreiter Ed Kuepper, aber die verschiedenen Inkarnationen der SAINTS und Baileys Solo-Projekte verschlissen Dutzende Musiker. Bailey starb am 9. April 2022 im niederländischen Haarlem im Alter von 65 Jahren. Vier Jahre zuvor, Ende 2018, hatte er in den Church Street Studios in Sydney mit dem langjährigen SAINTS-Drummer Pete Wilkinson sowie Gitarrist und Toningenieur Sean Carey und Davey Lane von YOU AM I ebenfalls an der Gitarre eine Reihe von Songs aufgenommen, und dazu auch verschiedene Gastmusiker eingeladen. Die Songs basierten auf Demos, die Bailey in seiner neuen europäischen Heimat Haarlem geschrieben hatte und nun mit ins Studio brachte. Was genau der Grund war, dass die Aufnahmen, die sich hier in opulenter, transparenter Dynamik präsentieren, in den vier Jahren vor Baileys Tod unveröffentlicht blieben, wie auch in den drei Jahren seitdem, bleibt unklar, weder Carey noch Wilkinson gehen in ihren Linernotes im Booklet darauf ein. Fakt ist, dass es sich hier um ein legitimes, ausproduziertes letztes Album der Musikerlegende handelt – ob man das unter dem Bandnamen laufen lassen musste, ist vielleicht eine zu spitzfindige Frage. „Long March Through The Jazz Age“ ist keinesfalls eine lahme Resteverwertung, man würde sich wünschen, der nun 69-Jährige Bailey hätte die zwölf wundervollen Songs (Highlights: „Resurrection day“, „Imaginary friends“) selbst auf der Bühne präsentieren können. Ein würdiger Abschiedsgruß.

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