
Diese seltsame Unterscheidung von Art- und Streetpunk fand ich ehrlich gesagt immer scheiße. Je nachdem wo man sich verortet, entgeht einem nämlich einiges an spannender Musik und im Endeffekt reproduziert und verfestigt man mit so einer Einordnung nur bestehende Klassenzugehörigkeiten – und Dinge zementieren, statt infrage zu stellen oder zu überspringen, ist so ziemlich das genaue Gegenteil von Punk, meiner Meinung nach jedenfalls. DIE MASSNAHME aus Hamburg sind ein Trio, das sich auf Nachfrage wohl eher im künstlerischen Bereich verorten würde (darauf lässt mindestens das Covergemäle schließen) und das Experiment nicht scheut, weder textlich noch musikalisch. Wer sich darauf nicht einlassen will, kommt bei dieser Band wahrscheinlich nicht weit. Aber ein offenes Ohr ist es definitiv wert, weil man auf diesem Album eine interessante Mischung aus Noise, Post-Punk und Wave finden kann. Textlich oft repetitiv ins Dadaistische kippend, entfaltet sich hier eine düstere Atmosphäre, die gern an X-MAL DEUTSCHLAND erinnert, immer wieder aber mal durch improvisatorisch klingende Phasen durchbrochen wird, und gerade das macht „Sommer kaputt“ zu einer sehr schönen, spannenden Platte. Dazu kommen Zeilen wie „All my mental energy is focused on cleaning“ – eine Aussage, die ich in ihrer ganzen Tiefe sehr gut nachvollziehen kann.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Gary Flanell