
Achtung: anders! Der erste Kontakt mit diesen Briten kann verstören. Doch schon bald schießt man sich auf den wilden, widersprüchlichen und ungeschliffenen Stil von MOULD ein. Die zweite MCD des Trios aus Bristol, „Almost Feels Like Purpose“, enthält sechs Tracks, die vollkommen ausreichen, um Gefühle zu erzeugen zwischen himmelhochjauchzend und zutiefst betrübt. Die Post-Punk-Kombo tritt in vielfacher Hinsicht extrem auf: Chaotisches Gefrickel und spontane Wendungen prägen ihr Spiel ebenso wie eingängige, poppige Refrains mit Ohrwurmcharakter. Dazwischen ist alles möglich – und alles wird bespielt. Frontmann Joe Serrin verbindet diese Elemente mit eigenwilligen, oft sarkastischen Texten, die MOULD einen zumeist ansteckenden aufrührerischen Charakter verleihen. Doch dahinter steckt mehr als bloßer Krawall: Die Band kanalisiert Frust, Angst vor der Zukunft und den Unwägbarkeiten des Lebens in ihrer Musik – und das auf eine packende Art, die nicht stört, sondern auffällt. Als Dreiergespann holen die Briten das Maximum aus ihrer Besetzung heraus: Gitarre, Bass und Schlagzeug werden kraftvoll und markant eingesetzt. Die Songs auf „Almost Feels Like Purpose“ klingen kompromisslos roh und düster – und genau dadurch authentisch und belastbar. Mit tollkühnen Ideen und viel Wagemut entwickeln MOULD ihren ganz eigenen Stil. Deshalb ist auf den britischen Inseln bereits ein waschechter Hype um die Band entbrannt. Obacht!
© by Fuze - Ausgabe #112 Juni/Juli 2025 und Arne Kupetz
© by Fuze - Ausgabe #112 Juni/Juli 2025 und Arne Kupetz