
Wenn Aufnahmen bereits seit 20 Jahren existieren, dann ist es offensiver Informationsgeiz, nicht zu erwähnen, warum diese ausgerechnet jetzt erstmals veröffentlicht werden und was genau der Anlass dafür ist. Andererseits: Was Rudy Radu egal ist, ist mir auch egal, denn schließlich ist sein Aquarium die Hauptstraße. Die Live-Clips, die man findet, zeigen einen entfesselten Musiker, dessen „Gitarre erdbebengleich schreit“, wenn man mit einer wackligen Übersetzung einem schiefen sprachlichen Bild die Krone aufsetzen darf. Die Musik, die sich auf seiner Debüt-10“ versammelt, ist defensiver und indirekter. Die fünf Stücke umfassende EP beginnt mit zwei Instrumentals, die sich auf Basis seiner (geloopten) Gitarre in einen Bereich zwischen Drone und Noise bewegen und anschließend in die schummrige Melodie von „A brief complaint“ münden, in der er mit dünner Stimme genau das macht: meckern. Über wen anders. Im Titeltrack erwacht aufgrund der körperlichen Kaputtheit eines anderen ein Beschützerinstinkt. Kaputt sind auch die Instrumente und Effekte auf der B-Seite. Vielleicht sind das auch Aufnahmen aus der Porzellanfabrik während des oben erwähnten Erdbebens. Oder es ist Rudy Radus Gefühlshäcksler, der seine in der Musik offenbarten Emotionen in fünf portionierte Soundeinheiten zerkleinert.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Henrik Beeke