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NIKOTEENS

Raw Power 1980-85

Die Geschichte von Punkrock und Hardcore in Deutschland ist auch eine von Städten: Berlin, Hamburg, Hannover, Düsseldorf ... und dann wird es auch schon eng. München, da war auch mal was, Stuttgart, Frankfurt, Köln ... man muss sich anstrengen beim Erinnern. Und Ingolstadt? Was? Wer? „Ingolstadt ist tot“ sangen THE NIKOTEENS aus eben dieser bayerischen Stadt selbst auf ihrem Debütalbum „Aloah-Oehh“, das 1983 auf dem zu diesem Zeitpunkt noch akzeptablen Rock-O-Rama-Label erschien. 1979 hatten sie sich gegründet, 1986 wieder aufgelöst, ab 2002 gab es sporadisch weitere Aktivitäten, 2008 kam die „Full Speed Ahead“-EP mit neuen Songs. Ich hoffe, ich kränke keine Egos, aber THE NIKOTEENS gehören für mich zu Bands aus der Reihe „Vergessene Helden“: Seinerzeit waren sie sehr präsent auf den Bühnen und in Fanzines bis hin zum Maximum Rocknroll in den USA, das Debütalbum soll sich 20.000 mal verkauft haben, sie waren in einem Film von Thomas Gottschalk zu sehen, tourten mit DIE TOTEN HOSEN ... Die Musikgeschichte der Großstädte ist freilich besser dokumentiert, Mitglieder aufgelöster Bands machten in anderen, bekannteren Bands weiter – daraus entwickelt sich eine größere Präsenz, vielleicht gar Kultstatus. Den genießen THE NIKOTEENS zwar durchaus, aber eher unter „Wissenden“. Mit „Raw Power 1980-85“ könnte sich das jetzt ändern, denn die Band hat für das Doppel-LP-Format einen wesentlichen Teil ihrer Aufnahmen zusammengestellt. Den Anfang macht das „Aloah-Oehh“-Album, das zuletzt 2001 vom Münchner Label Schlecht & Schwindlig neu aufgelegt worden war, weiter geht es mit Live-Songs vom 09.11.85 aus der Kapu in Linz sowie dem „Skateboard“-Tape von 1984 und zwei Bonustracks von 1980 und 1982. Und als Bonus-7“ liegt noch die „1st. EP“ von 1981 bei, leider ohne Cover. Die ist bereits 1995 auch mal von Loud, Proud & Punk Records neu aufgelegt worden. Ob Studio oder live, die Aufnahmen dokumentieren eindrucksvoll den damals als sehr hart und schnell empfundenen Sound der Band in der Übergangsphase von Punk zu Hardcore – die „neue“ Musik aus den USA setzte sich da allmählich erst durch. Was sich auch am immer weiter „einschleichenden“ englischen Gesang festmachen lässt: auf dem Album wurde deutsch gesungen, auf dem Tape ein Jahr später (und live) auf Englisch. Und der Trend Skateboarding hatte die Band da auch erfasst: Bandana statt Iro, Chucks statt Springerstiefel war damals allenthalben die Devise. Die Doppel-LP kommt im Klappcover mit reichlich Fotos, im dicken Booklet finden sich neben Zeitungsausschnitten auch Reprints von „jungen“ Interviews aus Ox und Underdog.

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