
Fünf Jahre nach „All“ gibt es endlich Nachschlag von dem Düsseldorfer Duo, das seine moderne Interpretation von Repetition und Rhythmus noch mal um weitere Klang- und Genreausflüge erweitert hat. Dass Krautrock nicht mehr nur die angeranzte Vinylkiste für langhaarige Ü70er mit lichtem Pferdeschwanz und ungepflegtem Bartwuchs auf der Plattenbörse ist, sondern vielmehr ein quicklebendiges Genre, das zu weit mehr taugt, als einen Nachmittag durchzukiffen, kann man an Bands wie OSLO TAPES, KRATZEN und zig anderen ablesen, die das Genre unverstaubt aufleben lassen. URLAUB IN POLEN expandieren den Krautkosmos um alles, was dem jeweiligen Song dient. Sie schichten, spielen mit Soundschnipseln, Ambient-Elementen, jeder Menge Instrumenten und lassen auch mal den Lärm in die Wohnung, wenn er sich vorher die Schuhe abtritt. Das ist so gekonnt tiefenentspannt und brandaktuell, dass man ruhigen Gewissens weiter den Kopf über manche Kifferauswüchse in den 1970ern schütteln kann und über die offensichtlich verpassten Chancen, die damals liegengelassen wurden. So hätte es klingen können, wenn die meisten sich nicht gegenseitig abgekupfert, sondern etwas getraut hätten. Das hier ist jedenfalls verdammt cool und an vielen Stellen auch verdammt schön. Genauso klingt die gelungene Neuerfindung eines alten Rades.
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