
Lieblingsplatten-Alarm! Das Wiener Label Fettkakao, das im Herbst sein 20-jähiges Bestehen feiert, bevorzugte zuletzt kleine Formate. Mit PALOMA 004 im Ohr ist rasch klar, warum Andi Dvorak dafür die Labelpolitik wieder verändert hat. Die zehn Songs der Band, die als Solo-Projekt der Künstlerin Lisa Obereder begann (ihr Bild „Torso II“ ziert das Cover), verdichten sich zu einem spannenden und einnehmenden Statement. Mit ihrer Schwester Lena Obereder (bs, voc), dem Gitarristen Philipp Bayerle und Schlagzeugerin Karoline Zwickl entwirft Lisa (voc, gt, key) eine zeitgemäße, atmosphärisch dichte Gitarrenmusik, die auch dadurch besticht, wie und was die unprätentiösen, englischen (Opener „Habit“) und deutschen Texte sagen: „Ich laufe durch die Straßen / Und starre in die Leere / Ich befrage den Rechner nach den News zur Misere / Und es sieht danach aus, als wär das Ende vertagt / Das klingt schonmal gut“ („Heiteres“). PALOMA 004 gelingt eine Musik, die Dringlichkeit und Sensibilität, Entschlossenheit und Zweifel gleichermaßen zum Ausdruck bringt, eine Musik, der es offensichtlich um etwas geht, feingewoben und ohne falsches Pathos, nicht nur bei „Ich meine“ blitzt Humor auf, die letzten Worte des Liedes: „Es ist nicht wirklich / Es ist nicht wirklich so einfach“. Wunderbare Band, wunderbares Album!
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Rainer Krispel