
Es passiert mir wirklich selten, dass ich eine (zugegebenermaßen sehr kurze) LP für ein Review anhöre, mir so meine Gedanken mache, das Review schon im Kopf habe und beim allerletzten Song alles auf Reset setze, um mir die Platte erneut in doppelter Lautstärke noch mal anzuhören, weil sämtliche Synapsen und die komplette Körperbehaarung signalisieren, dass ein erneutes Hinhören sich definitiv lohnen wird. Harndrang? Instinkt?! Trigger?! Oder die über mehr als vier Jahrzehnte trainierte Fähigkeit, aus einer grauen Masse das herauszupicken, was aus einem anderen Holz geschnitzt ist. Erster Gedanke: Siouxsie mit ... hmm. Falsch! Post- ... Falsch! Das hier ist ein Kulturen-Clash aus Post-Punk, Wave und (Achtung!) ... Bauchtanz. WTF? Aber ja, der Song „Gözlerimde“ würde auch in einem türkischen Restaurant mit Baklava, Köfte, irgendwas mit Rosenwasser und entsprechender Beleuchtung funktionieren, ohne Scheiß. Ausgerechnet der letzte Song schafft es instant auf meine „Entenhaut-Compilation“, die im Auto niemals laufen wird, weil Unfall vorprogrammiert. Hier stimmt jeder Ton, jede Zeile, jedes Schweigen, einfach alles. Bei wem sich bei „Peace for the soft“ nichts regt, ist innerlich so was von tot. Ein Song für die Ewigkeit. Auch die übrigen fünf Tracks sind grandios, und das meine ich so! Mehr davon!
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #185 April/Mai 2026 und Kalle Stille