
Manga müssen nicht immer aus Japan kommen, auch die koreanische Comicszene macht sich einen Namen: etwa der Webcomic „Pigpen“ des koreanischen Horror-Autors Carnby Kim, der nun auch als Printausgabe erscheint, und im Gegensatz zu vielen Manga voll koloriert ist und in westlicher Leserichtung gedruckt ist, also von links nach rechts. Das Ganze ist mit dem dritten Band abgeschlossen, somit liegt nun die gesamte Serie vor. Die Geschichte von „Pigpen“ verarbeitet dabei viele nicht ganz unbekannte Ideen: Ein Protagonist mit Amnesie, gestrandet auf einer Insel, eine Familie mit eigenartigen Verhaltensmustern, die an seinem Geisteszustand zu zweifeln beginnt. So weit, so bekannt. Was zu Beginn des ersten Bandes noch eher mit Klischees spielt, überrascht schließlich mit einer doch unerwarteten Wendung und nimmt in den beiden folgenden Bänden durchaus an Fahrt auf, was insgesamt einige Fragen aufwirft. Kim gelingt es, eine bedrückende Stimmung zu schaffen, die einen immer wieder alles hinterfragen lässt, und mit seinen Twists kann er die Rollen immer wieder neu verteilen. Die Puzzleteile, die man alle so schon mal in verschiedenen Variationen gesehen hat, ergeben hier ein neues und stimmiges Bild. Wenn sich durch Flashbacks und die wiederkehrenden Erinnerungen des Protagonisten die Geschichte neu zusammensetzt und gänzlich andere Rückschlüsse zulässt, bekommen die Charaktere wieder eine neue Motivation. So bleibt es bis zu Schluss spannend und durchweg überraschend. Das Ende ist zwar durchaus stimmig, fällt aber etwas ab. Letztendlich ist „Pigpen“ ein Horror-Manga, in dem viel Blut fließt, der aber auch psychologische Tiefe besitzt und auf spannende Weise versucht, die Psyche eines Serienmörders auszuloten.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #185 April/Mai 2026 und Dennis Müller