
Die Autorin lehrt und forscht im Bereich der Kultur- und Sozialwissenschaften, mit Schwerpunkten auf Gender und Queer Studies. „Queere Punk-Utopien – Politische Ästhetik, Disidentifikation und kollektive Imagination“ ist ihre Dissertation, die sie 2022 vorgelegt hat. Beyer bezeichnet sich gleich zu Beginn selbst als queer-feministsche Wissenschaftler:in und positioniert sich auch als Teil der Punk-Community. Was die Vorzeichen schon mal richtig setzt, auch wenn das natürlich kritisch gesehen werden kann. Atlanta Ina Beyer analysiert „homoerotische Subversionen hegemonialer Hardcore-Männlichkeit“ mit Hilfe der Band LIMP WRIST. TRIBE 8 verkörpern die „Provokation (lesbisch-)feministischer Subjektvorstellungen“ und die Künstlerin und Musikerin Cristy C. Road steht für „Selbst-Politisierung und Transformation von kollektiver Identität in [ihrem] Greenzine“ (das ganz am Anfang wohl GREEN DAY gewidmet wurde). In die drei Kapitel werden einzelne Elemente eingeordnet und interpretiert, von Songtexten über Kassettenartworks, Bühnenperformances, Gesangsformen bis hin zu autoethnografischem Storytelling. All das funktioniert bestimmt gut als Doktorarbeit und ist notwendig, wenn wir uns die Geschichte von Punk und Hardcore und der momentanen durchaus guten Entwicklung mit immer mehr selbstbewussten, jungen, queeren Bands und Personen im Hardcore ansehen. Außerhalb der wissenschaftlichen Diskussion überfordert es zum Beispiel Leser wie mich allerdings maßlos, was jedoch völlig in Ordnung geht. Die Zielgruppe ist schließlich eine andere.