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REFUSED

This Just Might Be The Truth

Oh je, die Ox-Frühzeit in den 1990ern ... meine Erinnerung ist da enorm blass. Ich studierte damals noch, machte das Ox und als Nebenjob Promo für das süddeutsche Hardcore-Label We Bite. Inhaber Thomas Issler und Co-Chefin Margit hatten damals eine gute Nase für Trends und sich vom schwedischen Startracks-Label die Lizenz für dieses erste Album der 1991 in Umeå gegründeten REFUSED gesichert. Damals gab es auch noch den US-Ableger We Bite America, das wiederum mit Victory Records zusammenarbeitete und unter anderem SNAPCASE oder EARTH CRISIS für Deutschland beziehungsweise Europa lizensierte. Irgendwo da drin war ich ein kleines Rädchen und sollte dafür sorgen, dass die Platten in der Musikpresse besprochen werden ... ich erinnere mich an fast nichts, seltsam. So aber kam ich früh mit SNAPCASE und REFUSED in Kontakt und erwähnte beide Bands seinerzeit in Reviews im Ox in einem Atemzug. Es war ein fundamental neuer Sound, der da parallel aus Schweden und aus den USA über uns kam: einerseits steckte da dieser altbekannte, wie wir es pauschal nannten, Straight-Edge-Hardcore drin, der ein halbes Jahrzehnt vor allem aus NYC via Revelation zu uns gekommen war, zum anderen war da aber auch mehr Groove, diese tief gestimmten Gitarren, eine neue Rhythmik, die von anderen Bands jener Zeit aber zum Mainstream-Klischee entfremdet wurde. Wie mit der fundamentalen „Neuheit“ von FUGAZI einige Jahre zuvor und dann bald darauf NIRVANA ist es auch hier schwer, sich aus Zeitzeugensicht „richtig“ zu erinnern. Zu heutigen Ereignissen wird man dereinst Social-Media-Posts analysieren können, damals wurden wir einfach Zeuge von etwas Neuem, dessen bahnbrechende „Neuheit“ uns aber nicht bewusst gewesen sein kann – diese Ver- und Erklärung findet ja immer erst im Nachhinein statt. Ein paar Kleinformate hatten REFUSED zuvor schon veröffentlicht, darunter 1993 auf Burning Heart mit der Katalognummer BHR 002 die CD-EP „This Is The New Deal“, und dann eben 1994 das erste Album „This Just Might Be The Truth“ — Burning Heart war noch nicht so groß, das entwickelte sich gerade erst, und so gab es 1997 eine Neuauflage auf Burning Heart, nachdem 1996 der Nachfolger „Songs To Fan The Flames Of Discontent“ auf Startracks, Victory und We Bite erschienen war. Das ultimative Durchbruchsalbum „The Shape Of Punk To Come“ bedeutete 1998 dann den Wechsel zu Burning Heart und später den Sprung zu Epitaph. Wie ich dieses REFUSED-Debütalbum heute empfinde? Erstaunlich, nun, „schwerfällig“ und langsam, noch nicht so ausgereift wie die beiden Folgealben: das damals fundamental Neue klingt längst vertraut, die Sensation bleibt ... aus. Dennoch: das war, das ist der Anfang. Kommt mit unveröffentlichen Album-Demoaufnahmen vom Oktober 1993 als Bonus-LP sowie mit Linernotes von Dennis Lyxzén und David Sandström.

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