
Seit 35 Jahren halten VIBRAVOID die Fahne der Psychedelia hoch – nicht als Retro-Simulation, sondern als künstlerische Haltung. Durch ihre unüberschaubare Diskografie (Discogs listet stattliche 64 Releases!) zieht sich wie ein roter Faden der Versuch, die Wahrnehmung zu dehnen. „Remove The Ties“ bündelt diese Erfahrung und schreibt das Manifest weiter. Die Stücke lassen sich wie ein Parcours durch die Ideengeschichte des Genres lesen. „Computer dreams“ spielt mit dem Düsseldorfer Elektronik-Erbe, bricht die Assoziation zu KRAFTWERK aber wieder durch halluzinogen verschobene Effekte, die das Bekannte ins Surreale kippen. „Neustart“ treibt im Motorik-Puls voran, doch Synth-Schleier und wabernde Echo-Gitarren erzeugen den Eindruck, man schwebe in einem Club, der zugleich Tanzfläche und Bewusstseinslabor ist. „The power of dreams“ knüpft an den Sixties-Pop von ELECTRIC PRUNES oder Syd Barretts PINK FLOYD an, verzerrt aber Melodie und Harmonie durch Reverb-Schichten. „Follow me follow you“ stellt experimentelle Strukturen neben eingängige Hooks – ein Spiel mit Orientierung und Kontrollverlust. „Increasing the pain“ steigert Intensität und Lautstärke, ein Crescendo ins Unerträgliche getrieben, bevor es kippt. „A state of mind“ verweist bereits im Titel auf psychedelische Selbstvermessung: Fuzz-Gitarren, Delay-Schleifen und Stimmen, die wie innere Stimmen wirken, erzeugen den Eindruck eines LSD-Tagebuchs in Echtzeit. Der Titeltrack schließlich reduziert alles auf ein mantraartiges Riff, das in seiner endlosen Wiederholung den Kern psychedelischer Erfahrung abbildet: Popmusik verwandelt sich in Ritual. VIBRAVOID haben nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ihre Musik aus der Hippie-Ideologie, aus Acid-Tradition und Popkultur gespeist ist. Effekte sind hier nicht Dekoration, sondern Bewusstseinstechnologie. „Remove The Ties“ zeigt, dass Psychedelia nicht im Archiv lebt, sondern als Haltung fortbesteht.
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