
Die 1988 in Oxford gegründeten RIDE gehörten ähnlich wie MY BLOODY VALENTINE, SWERVEDRIVER oder SLOWDIVE zu den populäreren Bands, die zu dieser Zeit dem Genre Shoegaze zugeordnet wurde. Streng genommen hatten THE JESUS AND MARY CHAIN bereits 1985 und 1987 mit „Psychocandy“ und „Darklands“ dafür die Blaupause geliefert, ebenso wie einige Jahre zuvor die Australier THE CHURCH, bei denen neo-psychedelischer Noise auf erstaunlich melodische Parts traf. RIDE, denen gleich mit ihrem Debüt „Nowhere“ 1990 ein Shoegaze-Klassiker gelang, zählten aber von Beginn an zu den softeren und rockigeren Vertretern dieses Genres, weshalb ihre beiden finalen Alben „Carnival Of Light“ (1994) und „Tarantula“ (1996) auch weniger gut gealtert sind. 2017 nahmen sie ein gelungenes neues Album namens „Weather Diaries“ in Originalbesetzung auf, gefolgt 2019 vom ähnlich überzeugenden „This Is Not A Safe Place“. Im letzten Jahr folgte dann „Interplay“, wie bei so vielen Bands entstanden während der Corona-Epidemie. Es gibt wahrscheinlich reichlich Bands, bei denen mir so ein polierter Sound wie bei RIDE schnell auf die Nerven gehen würde, aber wahrscheinlich wäre es sowieso nicht zielführend, 2025 Sounds der 1980er Jahre nur plump reproduzieren zu wollen. Stattdessen haben sich Andy Bell, Loz Colbert, Mark Gardener und Steve Queralt auf authentische Art, immer mit der eigenen Vergangenheit im Blick, um einen modernisierten und songwriterisch vielschichtigen und anspruchsvollen „Noisepop“ mit hohem Hitpotenzial bemüht, ohne dabei in irgendwelche Zeitgeistfallen zu tappen oder sich irgendwo anzubiedern.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Thomas Kerpen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #145 August/September 2019 und Thomas Kerpen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #132 Juni/Juli 2017 und Joachim Hiller