
„Ich bin Musiker. Mein Körper ist Musik. Musik ist mein Körper.“ Ein prägnantes Zitat von Robert Görl, das den radikalen Ansatz von DAF treffsicher skizziert: Konfrontative Körperlichkeit im EBM-Elektrogewitter. Das Herz macht Bumm. Die Lebensgeschichte von Robert Görl, gemeinsam mit Co-Autorin Hanna Rollmann verfasst, ist fesselnd, interessant und spannend erzählt. Von den frühen Jahren in London, als DAF von Mute-Gründer Daniel Miller als Support von THE BIRTHDAY PARTY entdeckt wurden, bis hin zu zahlreichen dramatischen Wendungen. So erlitt Görl 1989 einen schweren Verkehrsunfall, der fast seinen ganzen Körper zerschmetterte, ihm Beine und Arme brach. Doch als er nach einer zwölfstündigen OP wieder aufwachte, hatte er eine Art „Buddha-Erlebnis“. Ein zweites Leben, ein neues Leben für den Schlagzeuger, dessen Musik sich über Körperlichkeit definierte, als Rhythmussegment, oder wie er es einmal ausdrückte: „Wir waren Cyborgs.“ Er lebte danach mehrere Jahre in Thailand, Nepal und Indien, hatte die Idee, Mönch zu werden, und war kurz vor der Ordination. Robert Görl, 1984 von der Spex als „Bowie-Imitator“ bezeichnet, ist in seinem Leben durch vielfältige Formen von Reinkarnationen gegangen. All dies wird in diesem Buch packend beschrieben. Er hat auch Humor und ergeht sich nicht in purem Historismus. DAF waren Pioniere und Ikonen des EBM: „DAF war tatsächlich ein Gegenpol zu KRAFTWERK, das haben wir auch früher schon gesagt. KRAFTWERK ist Computer, null Körper. DAF ist Body Music.“ Ihr Einfluss ist nicht ansatzweise beschreibbar. Robert Görl erzählt in diesem Buch sehr offen von seinen Beziehungen zu Frauen, zum Buddhismus, zu Gabi Delgado und zur Musik. Sein Herz macht Bumm.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Markus Kolodziej