
Der neue Roman von Adelmann ist die Fortsetzung von „Die Zukunft stirbt zuerst“, verlässt aber die Provinz und führt uns in die besetzte Mainzer Straße in Berlin kurz nach dem Mauerfall 1989, wo im Verlauf der Kapitel eine Vielzahl an verschiedenen Personen vorgestellt werden, die ihren Lebenstraum in dem Hausprojekt verwirklichen wollen, aber letztendlich durch den massiven Einsatz von 3.000 Polizisten und die gewaltsame Räumung daran gehindert wurden. Die Gründe, warum die Protagonisten auch im echten Leben damals nach Berlin kamen oder innerhalb der Stadt in die Mainzer Straße zogen, sind höchst unterschiedlich, aber Adelmann gelingt es geschickt, wahre Erlebnisse von realen Menschen auf eine fiktionale Ebene zu bringen. Krass ist auch die Ahnungslosigkeit der Politik über die Auswirkungen ihres Handelns, wie zum Beispiel beim damaligen SPD-Bürgermeister Walter Momper, der den harten Polizeieinsatz zur Räumung befahl und zu Recht danach als Bürgermeister geschasst wurde. Mit Blick auf die von Adelmann gezeichneten Charaktere bleibt festzuhalten, dass es auch in der Punk-Szene keine echte Homogenität gab und gerade in diesem Zeitraum viel unterschwellige Gewalt stattfand. Außerdem beginnt man zu überlegen, wie man die gegenwärtig noch bestehenden linken und autonomen Häuser und Clubs unterstützen und erhalten kann. Insofern behandelt „Die Revolution der toten Zeit“ ein brandaktuelles Thema. Die Revolution frisst ihre Kinder, wie es so schön heißt, weil die Politik und ihre Wachhunde dafür sorgen, dass man bestraft wird, wenn man nicht willig ist zu folgen. Aber nicht desillusionieren lassen, denn dafür ist der neue Adelmann-Roman einfach zu spannend.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Helge Schreiber