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ROUTES

Surfin’ Pleasures

Ein neuer Streich des Surfinstrumentalisten-Trios aus Tokio, das sich bekanntlich nicht nur um das Kreieren eigener Songs bemüht, sondern auch gerne auf fremdem Terrain wildert. 2022 hatten sie ein KRAFTWERK-Coveralbum eingespielt, vor kurzem erst den BUZZCOCKS ein twangy Surfgewand verpasst, und nun haben sie sich am Heiligsten vergriffen, was der Post-Punk zu bieten hat: JOY DIVISION. Das kann man aus ganz grundsätzlichen Gründen ablehnen, etwa weil man schon ausgenervt ist vom zu Tode gerittenen NOUVELLE VAGUE-Gaul oder weil man der Meinung ist, dass irgendwo der Spaß aufhört, etwa bei „Love will tear us apart“. Oder man ist da etwas offener und lässt sich darauf ein und hört mal zu, was man aus dem Originalmaterial so machen kann. Ich gehöre zu letzterer Fraktion. Grundsätzlich haben es THE ROUTES geschafft, bei den meisten Songs den markanten Kern herauszuarbeiten und so auch ohne Blick auf die Titelliste für „Aber das ist doch ...“-Momente zu sorgen. An anderer Stelle gelingt das eher nicht, und grundsätzlich, das liegt wohl an der fröhlichen Klangfarbe und dem forcierteren Tempo des Surf-Genres, stimmt für mich die Grundstimmung nicht. Die Songs von JOY DVISION haben sich so tief eingebrannt, sie sind so emotional und bedeutsam, die will ich gar nicht anders aufbereitet haben. „Surfin’ Pleasures“ ist musikalisch wie gestalterisch erstklassig umgesetzt, aber kommt nie über den Novelty-Status hinaus. Ideal, um beim Goth-DJ-Abend für erschrockene Gesichter zu sorgen oder einen Sonnenuntergang an einem von einem Ölteppich verschmutzten Strand zu untermalen ...

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