Foto

ROY HEAD

Last Time Around

Wer glaubt, dass posthume Alben oft nur Resteverwertung sind, wird hier eines Besseren belehrt: „Last Time Around“ ist eine letzte, druckvolle Verbeugung vor einem der wildesten Performer der texanischen Soul-Garage-Geschichte. Roy Head (1941-2020), texanischer Vokalakrobat, Soul-Shouter, Elvis-Beißer, wurde 1965 mit „Treat Her Right“ zum Hitlieferanten der Garage-Soul-Schule – und blieb für Eingeweihte ein Kultheiland. Die weiße Wirbelsturm-Ausgabe von James Brown, ankle-snapping legend inklusive – lässt es hier ein letztes Mal krachen. Mit Hilfe von Sohn Sundance Head, Deniz Tek (RADIO BIRDMAN), Paul English (Willie Nelsons Drummer, 2022 verstorben) und weiteren Weggefährten wird aus losen Session-Fetzen ein schlüssiges Album, das zwischen Southern Soul, R&B und Country rockt, rollt und rumpelt. Der Opener „Feels like rain“ (Hiatt-Cover) setzt die Messlatte hoch, echte Highlights sind der Shuffle-Groover „Slow down (But don’t stop)“, das swampige „Undercover agent for the blues“ und natürlich „Treat her right“, das mit Tek-Gitarre noch mal doppelt zündet. Die Produktion ist satt, aber rauh genug, um den Spirit zu bewahren. Kein Grabgesang, sondern soulgetränkte Quelle der Inspiration für Fans und Neuentdecker gleichermaßen.

Anzeige