
Ein unangenehm rauher Wind, der zu fortgeschrittener Stunde durch die Prager Gassen weht und an den Knochen nagt. DECULTIVATE legen ihre erste eigenständige Langspielplatte vor, wobei das schon fast ironisch klingt bei weniger als einer Viertelstunde Spielzeit. Nach dem fast schon klassischen Weg vieler Hardcore-Bands über Demo, EPs und Split-Aktivitäten versammeln sich hier neun explosive Songs, die sich als chaotischer Hardcore, teils auch Crust und Grindcore bezeichnen lassen. Die vierköpfige Band aus Prag stachelt die unangenehme, windige Druckwelle immer aufs Neue an und drückt diese mit Inbrunst heraus. Kaum ein Ton wird lange gehalten und das kurzweilige Abrutschen ins Crustige wird bald wieder von der Gitarre unterbunden, wobei die Hand spielfreudig auf dem Griffbrett hin und her rutscht. Das erinnert an Songteile von BAPTISTS, wenn diese nicht in den Sludge abrutschen. Die LP wirkt wie ein aggressives und ruheloses Anschreien gegen die Welt, selbst wenn es nach einem Ende verlangt. Genau das bedeutet der Titel des letzten Tracks „Na konci“ auf Deutsch: „Am Ende“. So hieß auch schon ein Song der Prager Band REMEK, wobei das von ihnen aber gänzlich anders umgesetzt. Bei DECULTIVATE überwiegt das Stürmische und Ungebundene, das keine Pausen kennt und sich am liebsten nicht an die vorgezeichneten Bahnen der Gassen halten möchte.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und David Gabriel