
Geoff Haba und Davo Gould waren gemeinsam an der Entstehung des MOTHER TONGUE-Debüts beteiligt. Nach deren Auflösung sollte es damit 1996 weitergehen, doch beide kamen schließlich nicht mehr zurück. Einige Widrigkeiten, die das Leben leider manchmal mit sich bringt, erweckten in ihnen offenbar wieder den Wunsch, gemeinsame Sache zu machen. Zum Glück, möchte man sagen, denn was die beiden unter dem Banner WEREWOLF ETIQUETTE hier erschufen, ist grandios. Sehr schwer und nicht immer auf Anhieb greifbar, aber zweifellos grandios. Hier werden mit einer punkigen Rotzigkeit Songs hingeklatscht, die Blues, Noise und Stoner-Rock kombinieren mit genau dem richtigen Maß an Asi-Attitüde, den diese Musik braucht. Gould gibt dabei manchmal mehr den Geschichtenerzähler denn den Sänger und erinnert zweitweise gar irgendwie an die Brillanz eines Jim Morrison, während Geoff Haba das Ganze mit seinem unglaublich intensiven und packenden Schlagzeugspiel mal wie auf einem dicken Teppich trägt, mal wie von einer wildgewordenen Bache gejagt nach vorne peitscht. Ich wette, Josh Homme wird ein bisschen angepisst sein, wenn er diese EP hört, denn ich kann mir vorstellen, dass das hier der Sound ist, der ihm einst für QUEENS OF THE STONE AGE vorschwebte. Tja, der eine will, die anderen machen. Ganz ehrlich, hier muss schnellstens ein Album her!
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #183 Dezember 2025/Januar 2026 2025 und Jens Kirsch