
Mir gefällt dieses Projekt ausgezeichnet. Ein Label, das alte DDR-Tapes vor dem Vergessen bewahrt, schließlich waren die ORWO-Kassetten nur selten Chromdioxid und daher verfallstechnisch nicht ganz so haltbar. Obwohl, Chromdioxid-Tapes gab es auch, nur waren die vergleichsweise schweineteuer. Im DDR-Untergrund wurde nicht jeder Scheiß konserviert, sondern nur Material vervielfältigt, das ausgegoren war. Qualität statt Masse, auch wenn es Ausnahmen gibt. THE LOCAL MOON aus Ost-Berlin haben klare Punkwurzeln und sind aus der Punkband ROSA BETON hervorgegangen. Dunkler Wave, sehr minimal, aber auch so gekonnt umgesetzt, wie man es nur kann, wenn die Mittel begrenzt sind. Auch hier schimmern BAUHAUS durch, aber nur als Referenz, denn wenn diese Band in den frühen 1980ern irgendwo anders als im grauen Osten existiert hätte, wäre sie heute selber die Referenz. Erinnert mich verdammt noch mal an eine Band, mit der ich die Ehre hatte, auf dieselbe Schule gehen zu dürfen: PRINTED AT BISMARCK’S DEATH. Ebenfalls schwer von Peter Murphy beeinflusst, aber mindestens ebenso von Rimbaud und BIRTHDAY PARTY. THE LOCAL MOON spielen straff heruntergestrippten Goth-Sound, wunderschön auf den Punkt gebracht. Das klingt absolut null nach alten Kassetten und einer 7“, die im Westen gepresst, grauest reimportiert wurde.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Kalle Stille