
Der 76-jährige Berliner Günter Schickert, der auch in der Jazz- und Theaterszene aktiv war und in den 1970er Jahren Roadie und Tontechniker für Klaus Schulze war, mit dem er auch einige Male live auftrat, ist trotz zahlreicher musikalischer Aktivitäten (etwa sein langjähriges Rock-Projekt ZIGURI) wohl nur echten Krautrock-Kennern bekannt – der ewige Geheimtipp. 2019 hatte er in Anlehnung an sein erstes Album „Samtvogel“ – das er erst im Alleingang 1974 veröffentlichte, zwei Jahre später folgte der offizielle Release auf Brain – eine neue Platte namens „Nachtfalter“ auf Bureau B veröffentlicht, die bereits 2012 Schickerts zweite Platte „Überfällig“ von 1979 neu aufgelegt hatten. Schickerts Frühwerke zeichnete eine frühe Form von Drone/Ambient-Musik mit sich überlagernden Gitarrenspuren aus, ein krautrockiger Trance-Psych-Sound. Bei diesem psychedelischen Improvisationsrock auf den Spuren von ASH RA TEMPEL ging es natürlich nicht um konkrete Songs, sondern um eine möglichst hypnotische Wirkung, die sich auch schnell einstellt, wenn man sich an das zuerst etwas unfokussiert wirkende experimentelle Gitarrenspiel von Schickert gewöhnt hat. Einen CD-Rerelease von „Samtvogel“ gab es bereits vor gut zehn Jahren auf dem US-Label Important und etwas später dann auf Vinyl in Spanien (alles längst vergriffen). Insofern ist die Neuauflage auf beiden Formaten bei Bureau B auf jeden Fall willkommen, denn die innovativen und erstaunlich zeitlos wirkenden Ansätze von Schickert waren sicherlich mehr als nur eine Fußnote deutscher Musikgeschichte in den 1970er Jahren.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #140 Oktober/November 2018 und Thomas Kerpen
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