Erst kam die Biografie „Satan, kannst du mir noch mal verzeihen“, dann darauf basierend der Roman „Der letzte Punk“, schließlich das Comic-Songbook „Betreten auf eigene Gefahr“ und dann der Film über die wohl bekannteste DDR-Punkband SCHLEIMKEIM und ihren Frontmann Otze. Der Filmemacher Jan Heck, geboren 1992, wurde selbst unter anderem durch SCHLEIMKEIM Punk-sozialisiert und skizziert in 96 Minuten die Geschichte der Band – und damit auch gleichzeitig die des Punk in der DDR – anhand des Lebens von Dieter Otze Ehrlich. Dazu interviewt er Zeitzeugen und Weggefährten Otzes, die alten Bandmitglieder, die heute noch unter dem Namen SCHLEIMKEIM auftreten, und gute Freunde, die sich vor allem auch an Otze als Menschen erinnern. Der Film beginnt auf dem Bauernhof in Stotternheim, wo Otze 1978 durch die Radiosendung von John Peel Punk entdeckte. In Ermangelung von Punkbands in der DDR gründete Otze selbst eine – SCHLEIMKEIM. Otzes Familie und seine technischen Fähigkeiten werden ebenso thematisiert wie das erste Konzert der Band im Rahmen der offenen Jugendarbeit der evangelischen Kirche, die Punks einen Raum gab. Natürlich fehlt auch die Entstehung der ersten DDR-Punk-Platte „DDR von unten“ 1983 auf dem westdeutschen Label Aggressive Rockproduktionen nicht, ein Projekt, das von Anfang an von der Stasi überwacht wurde. Dazu gibt es alte Filmaufnahmen, unter anderem ein Otze-Interview von 1983 und Live-Mitschnitte, Erinnerungen an Otze vor und nach der Wende, den Mord an seinem Vater und Otzes Tod in der Forensik. Der Film macht deutlich, dass SCHLEIMKEIM wirklich nur in der Konfrontation mit dem DDR-Staat richtig funktionierte, auch wenn die Band auch noch Jahrzehnte nach dem Mauerfall ihre Bedeutung hat.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Triebi Instabil