
Sechs Jahre nach dem letzten Album melden sich BOLZEN HÖXTER aus St. Pauli nun zurück. Auch wenn die Platte „Schönes Regal“ heißt, ist auf dem Cover die Zeichnung eines Stuhls zu sehen. Ein Widerspruch, aber die Band bezieht sich bei der Auflösung desselben auf „Monarchie und Alltag“ von FEHLFARBEN. Der erste Song „Nix kapiert“ hat einen charmanten JOY DIVISION-Touch, dann arbeiten sie bei „Die neue Normalität“ die Pandemie und die ergriffenen Maßnahmen auf und knallen gleich RAMMSTEIN und H.P. Baxter eins vor den Latz. Mittlerweile haben BOLZEN HÖXTER ihrem Sound einen Namen gegeben, Punkbasierte Tanzmusik, und die reichern sie an mit tanzbarem Anarcho-Pop-Punk mit Ska-Einlagen, Synthesizer und Wechselgesang. Die frühe NDW lässt auch schon grüßen und auch FAMILY*5 oder NOVOTNY TV. Zu ihrem Soundteppich erzählen BOLZEN HÖXTER weiter kleine Geschichten. So handelt „Ostberlin im Sommer“ davon, 1988 Cannabis in die DDR zu schmuggeln. Die Hits der Scheibe sind „Namibia“, „Süßes Zuhause Alte Wöhr“, „Doppelstecker“ und „Mullbinde auf Toast“, das von Krankheit und Tod handelt und diese Themen auch offen anzusprechen wagt. Mit „Schade“ gibt es zum Abschluss noch eine Instrumentalversion von „Die neue Normalität“. Das beiliegende Textheft ist im klassischen Fanzine-Layout, also Schnipsel/Klebstoff, sehr liebevoll gestaltet. Eine runde Sache also!
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #140 Oktober/November 2018 und Triebi Instabil
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