
„SEASON TO RISK are indie rock noise from Kansas City, Missouri“, heißt es auf der Website, und auf dem kleinen Sticker auf dem Cover wird „the triumphant return of Kansas City’s noise rock pioneers“ verkündet ... und wohl nicht nur ich frage mich: „Who?“ Vom Cover her wäre die Platte im Laden nichts, wozu ich gegriffen hätte: der Name, das Logo, der grüne Skull ... ich hätte auf maximalst uninteressanten Nineties-Crossover-Schlunz getippt. Doch siehe da, beurteile nie eine Platte nach dem Cover und eine Band nach dem Namen. Das neongrüne Vinyl entpuppt sich als Trägermaterial für sehr coolen Noiserock meets Hardcore. Dabei hatte die schon 1989 gegründete Band in den 1990ern einen guten Lauf: ein Deal mit Columbia Records, wo 1993 das selbstbetitelte Debütalbum sowie „In A Perfect World“ (1995) erschienen, auf das „Men Are Monkeys, Robots Win“ (Thick, 1998) und „The Shattering“ (Owned & Operated, 2001) folgten. Von der Urbesetzung sind noch Steve Tulipana (voc, gt, synth) und Duane Trower (gt, synth) dabei, die anderen sind aber auch altgedient: David Silver (dr, seit 1994), Billy Smith (bs, seit 1999) und Wade Williamson (gt, seit 1999). 2021 veröffentlichten sie ihr neues Album „1-800-Meltdown“ nur als Tape und digital, erst im Frühjahr 2025 folgte nun der LP-Release, dessen Inhalt unter archivarischen Aspekten etwas mehr Detailinfos vertragen hätte: Scheinbar sind die Songs alte 7“- und Samplertracks, „compilation tracks, bonus songs from ‚Men Are Monkeys. Robots Win‘, experimental pieces, demos“ heißt es dazu. 2022 war die Band aber wohl im Studio und nahm auch neue Sachen auf, doch mangels exakter Angaben ist unklar, ob davon hier was zu hören ist. So oder so, wer sein Herz an den einschlägigen US-Noiserock der späten 1980er und frühen 1990er verloren hat, wer AmRep-Releases und MELVINS, UNSANE, SONIC YOUTH, BIG BLACK und THE JESUS LIZARD abfeiert(e), der wird hier auf alle Fälle reich belohnt. Ein paar der alten Alben wurden in den letzten Jahren auch bereits rereleaset.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Joachim Hiller