
Wird man unvorbereitet mit dem ersten Track „House“ des Debütalbums „Sniffin’ Around“ von DRUG DOG konfrontiert, hat man das Gefühl, Ende der 1970er, Anfang der 1980er in Los Angeles in einem ranzigen Punk-Club gelandet zu sein, wo gerade die AVENGERS oder X spielen, unterstützt von Neil Youngs Begleitband CRAZY HORSE oder den STOOGES. Tatsächlich kommt das Trio aus Helsinki und hat die Songs ganz normal im Studio eingespielt, ist aber klanglich näher dran an einer Live-Performance, und hat sich damit den perfekten räudigen Garage-Sound auf den Leib geschneidert, ohne lofi oder retro zu wirken. Auch der Bandname passt zum bewusst rumpeligen Sound, bei dem Gitarren und Gesang immer etwas daneben klingen. Authentischer bekommt man so was wohl kaum hin, wenn man Rockmusik mit einer möglichst deutlichen Fuck-You-Attitüde versehen will. DRUG DOG (viel ist zu der Band im Netz nicht zu finden) bewegen sich überwiegend in einem um größtmögliche Disharmonie bemühten klanglichen Spektrum voller Lärm und Distortion, wo Musik noch richtig wehtut, ohne dass ihre songwriterisch durchaus nuancierten Songs dabei komplett auseinanderfallen würden: „Complicated times need simple music!“ Oder wie es von Labelseite heißt: „Drug Dog’s debut roars and rumbles with a love and hunger for imperfection.“ Also Unvollkommenheit als gelungenes ästhetisches Konzept.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Thomas Kerpen