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SOCIAL DISTORTION

Born To Kill

Es ist Privileg und Last zugleich, ein Album wie dieses Monate vor allen anderen hören zu können. Man kann sich weit vorab des Releasetermins mit quasi niemandem darüber austauschen, durfte bis zur offiziellen Ankündigung noch nicht mal darüber sprechen. Und dann die Frage: Ist das neue, seit mindestens zehn Jahren erwartete, ja ersehnte Album, das von Bandchef Mike Ness zigmal angekündigt und dann doch wieder verschoben wurde, wirklich die Antwort, die alle Fans erwartet haben? Auch jene, die angefangen haben, am Legendenstatus zu zweifeln angesichts zwischenzeitlich auch mal ganz schön lahmer Konzert und einer 2025 abgesagten Europatour? Diese Frage wurde mir in den letzten Wochen öfter gestellt, ich stelle sie mir selbst, denn ich gehörte (!) zur Zweiflerfraktion. Und begann, Ness in Schutz zu nehmen, bei dem 2023, als die Arbeit an „Born To Kill“ bereits lief, Krebs an den Mandeln, im Hals, nahe den Stimmbändern diagnostiziert wurde. Ja. Die Antwortet lautet ja. Mike Ness und seiner Band ist der Befreiungsschlag geglückt. 30 Jahre nach dem epochalen Geniestreich „White Light, White Heat, White Trash“ (1996) und 15 Jahre nach dem letzten Album „Hard Times And Nursery Rhymes“ hauen SOCIAL DISTORTION noch mal eine Platte raus, die – das ist abzusehen – „White Light ...“ als „Once in a lifetime“-Album nicht wird einholen können, aber zwölf Songs lang alle erhofften Trademarks liefert, einen stimmlich wiederhergestellten Ness präsentiert und beweist, dass der immer noch ein enormes songwriterisches Talent hat. 40 Songs hatte er geschrieben, elf eigene plus das Chris Isaak-Cover „Wicked game“ aufgenommen – und ein, zwei Handvoll weitere wohl so weit vorproduziert (mit Hilfe von Produzentenlegende Dave Sardy), dass ein zweites neues Album in absehbarer Zeit nicht ausgeschlossen ist. Mit dem autobiografisch betexteten „Born to kill“ legt das Album, dessen Raubkatzen-Artwork Ness zusammen mit Shepard Fairey konzipiert hat, stark los. „No way out“ haut in die gleiche Oldschool-Kerbe, „The way things were“ lässt es etwas ruhiger angehen, „Tonight“ und Mikes Favorit „Partners in crime“ folgen, dann das Duett „Crazy dreamer“ mit Lucinda Williams und das schwelgerische, opulente Isaak-Cover. Und „Walk away“, wieder so ein Trademark-Stampfer, genau wie „Never going back again“ – groovender Boogie-Rock’n’Roll, der packt. In sehr klassischer Machart kommt dann „Don’t keep me hanging on“ um die Ecke, bevor „Over you“ krachend den Endpunkt setzt und an die frühen Tage der Band erinnert. Ja, die Antwort lautet immer noch ja: Comeback geglückt. Zwei, drei Mal hören und die Platte bleibt hängen und offenbart, dass Ness und Social D diesen oft kopierten Sound immer noch am besten draufhaben. „Born To Kill“ macht Spaß, kickt, groovet und lässt bei mir keine Wünsche offen. Ich bin wieder Fan.

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