
Ein Band-Vorläufer/Ableger von NEUNTAGE ALT, mit denen sie sich immerhin drei Musiker teilen. Auf angenehme Weise erinnert mich vor allem AMBASSADEUR DES OMBRES an die frühen Gehversuche meiner Schulkollegen von PRINTED AT BISMARCK’S DEATH, die sich ebenfalls an literarischen Texten bedienten, eindeutige Spuren von BAUHAUS (und weniger hörbare von CHRISTIAN DEATH und BIRTHDAY PARTY) aufwiesen, daraus aber etwas Eigenes schufen, so wie ADO, die absolut nicht wie die Epigonen irgendeiner verehrten Band klingen, sondern originär. Eine Eigenschaft, die man vielen Westbands in der Hochzeit des Zillo-Magazins definitiv nicht zusprechen kann. Ambassadeur sind zwar weniger eingängig und tanzbar als NEUNTAGE ALT, aber nicht weniger interessant, denn die Aufnahmen klingen nicht nach dem Osten, so wie „man ihn kannte“. Das hier ist so finster und angenehm düster wie ein Friedhof in Northampton Anfang der 1980er und enthält Hits wie „Sleep now“, die zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort definitiv Einzug in den Goth-Kanon gehalten hätten. Ein romantischer und dunkler Gegenentwurf zur Trostlosigkeit des real existierenden Sozialismus. Die Soundlandschaften, die hier kreiert werden, sind Zeugnis großer Visionen, die sich in einem engen Staatskorsett trotz aller Widrigkeiten ihren Weg bahnten, und daher umso bemerkenswerter.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #183 Dezember 2025/Januar 2026 2025 und Kalle Stille