
Diese Platte sollte eigentlich jemand besprechen, der Anfang/Mitte 20 ist und dazu die Nächte durchtanzen kann, statt jemand wie ich, der stattdessen verzweifelt versucht, die Platte musikalisch zu erfassen, was nicht wirklich funktioniert, weil diese verfluchte Jugend heute sich einen Dreck um Genregrenzen schert und mal dies, mal das macht, wie es ihr gerade beliebt. Mal laut, mal leise, mal verträumt, dann wieder energisch, ja, was nun? Wäre ich Mitte 20, könnte ich stundenlang problemlos von Platten wie dieser schwärmen. Post-Punk, Pop, Shoegaze, alles dabei. Wer sich für DRANGSAL, LEVIN GOES LIGHTLY oder Edwin Rosen begeistern kann, wird hier ebenfalls fündig. Ich verstehe das als modernen, unabhängigen Pop, jenseits industrieller Vermarktung, denn die hätte diesen hochbegabten Musiker längst in die eine oder in die andere Richtung gedrängt zwecks besserer Verkäuflichkeit, dabei spricht die Musik von Nils Keppel ganz alleine für sich. Meine Beutekinder werden es lieben, auch weil hier ganz große Momente enthalten sind, die man nur erschaffen kann, wenn der Geist völlig frei ist. Jemand, der die 30 noch nicht erreicht hat, würde hier locker 8 oder 9 Punkte vergeben.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #185 April/Mai 2026 und Kalle Stille