
SWELL MAPS aus aus Birmingham waren Punks, bevor es Punk gab. Die beiden Brüder Epic Soundtracks (in echt: Kevin Paul Godfrey) und Nikki Sudden (Adrian Nicholas Godfrey) sowie Jowe Head (Stephen Bird) und Biggles Books (Richard Scaldwell) machten erste Gehversuche schon ab 1972, doch erst mit Punk gab es wohl etwas, wo sie irgendwie rein- oder zumindest dazupassten. Die erste Single „Read About Seymour“ kam 1977, dann entdeckte John Peel sie und ihre Version von Punk, die auch schon mal als Mischung aus Kraut, Prog und Lärm beschrieben wurde, aufgenommen vorzugsweise per Homerecording. Unzählige Songs in teilweise sehr trashiger Aufnahmequalität entstanden so, Soundcollagen, purer Lärm, Gitarrenfeedbacks, die Genialität von unschuldigen Jungs, die in ihrer eigenen Welt lebten und erst ganz zum Schluss merkten, dass man auch ohne ein Label im Hintergrund in ein Studio gehen und aufnehmen kann. John Peel war es, der sie immer wieder unter seine Fittiche nahm, und so kam es am 16.10.1978, am 15.05.1979 sowie am 18.03.1980 zu jeweils einer John Peel Session im BBC-Tonstudio – das letzte Mal war schon kurz vor der Auflösung im April 1980. Zwei Studioalben hatten sie da veröffentlicht, diverse Solo-Aktivitäten folgten bis zum Tod von Epic Soundtracks 1997 und Nikki Sudden 2006, Jowe Head war zuletzt mit einer neuen Version der Band mit dem Zusatz „C 21“ aktiv. Ich stieß in den 1980er mit einem der notorischen Malibu Versand-Sonderangebote auf die Band, musste kapieren, dass auch das Punk ist, feierte „Full moon in my pocket“ und wäre froh gewesen, schon damals diese Peel-Sessions in konzentrierter Form genießen zu können. Denn fürs Radio rissen sich die SWELL MAPS zusammen, hauten ihre Songs konzise und durchaus punkrezeptionskompatibel raus und müssen für „Armadillo“ oder „Vertical slum/Forest fire“ unbedingt gefeiert werden. Quasi eine Best Of-Zusammenstellung, die den Zugang zum komplexeren Material sehr erleichtert – und auch für schlichtere Punk-Gemüter genießbar ist.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #116 Oktober/November 2014 und Joachim Hiller
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