
Wenn das so weitergeht, dann bringen LILAC VEGETAL fortan im Halbjahrestakt neue Scheiben raus. Nach einer LP und einer 10“ 2024 nimmt die Veröffentlichungswut (und vielleicht auch die Wut im Allgemeinen) im neuen Jahr nicht ab. Während sich ihr Debüt noch ziemlich ziellos zwischen Stoner und Doom auspendelte, ist die nachfolgende wüste Proberaum-EP in ihrer Hardcore-Punk-Kaputtheit bestenfalls geradlinig, aber näher dran an unbekömmlich. Auf beiden Formaten verstecken sie also das Potenzial, das sich auf „The Accursed Share“ Bahn bricht, extrem gut. Das österreichische Trio verbaut auf diesem stilistischen Gegenentwurf ein Höchstmaß an Variabilität, denn was bescheiden „Heavy/Noise/Hardcore“ benannt ist, ist zurückhaltender Ideenwucher mit durchgehend hoher Durchschlagskraft. Groovende, proggy Parts von MASTODON scheinen durch, ohne dieselbe brachiale, schlimmstenfalls machistische Wucht erzeugen zu wollen. Vielmehr blitzt eine Vielzahl pointierter Gitarrenfiguren auf, die durch den gepressten Gesang druckvoll aufgeladen werden. Ohne Reibungsverlust verdrehen sich LILAC VEGETAL in stoischem Noiserock oder entwickeln prägnante Grunge-Anleihen. „The Accursed Share“ sticht durch eine akzentuierte, instrumentale Akrobatik hervor, die unerwartet abwechslungsreich ist.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #174 Juni/Juli 2024 und H.C. Roth
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Henrik Beeke
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Christoph Lampert