
Die HEADCOATEES aus Chatham im Medway-Delta setzten ein Konzept fort, mit dem bereits die DELMONAS in den 1980er Jahren die Beat-Szene aufmischten. Ein weibliches Gesangsquartett, das als Vocal-Backing-Band der MILKSHAKES auftrat, verselbständigte sich, nahm zudem auch eine Reihe eigener Platten auf (vorwiegend Childish- beziehungsweise Hampshire-Songs), und erweiterte damit das Spektrum der vorwiegend mit männlichen Musikern besetzten Medway-Szene erheblich. Die HEADCOATEES, die im Fahrwasser der HEADCOATS ab Anfang der 1990er die Bühnen stürmten, setzten den Kurs dann fort. Verbindendes Element war Ludella Black, die in beiden Bands sang. Neben dem Vocal-Support für Childishs Radau-Rhythm’n’Beat-Truppe auf der Bühne standen sie regelmäßig im Studio, veröffentlichte von 1991 bis 1999 sechs Alben, auf denen sie die Songs von Childish mit viel amateurhaftem Charme und dem Rumpelschick der Chatham-Szene neu intonierten. Mehr und mehr fanden aber auch Coversongs den Weg ins Repertoire; es schien zeitweilig so, dass Ludella, Holly Golightly, Bongo Debbie und Kyra La Rubia mit den Coats ihre persönliche Karaoke-Gruppe gefunden hätten. Nach einem guten Vierteljahrhundert folgt nun – und womöglich hat auch Saskia Hollings Buch über die Medway-Girls ihren Part dazu beigetragen – ein sehnsüchtigst erwartetes siebtes Album der HEADCOATEES. Dies birgt wenige Überraschungen, klingt exakt so, wie erwartet, als wären die letzten 26 Jahre einfach „vorgescrollt“ worden. Die simple Produktion fängt den LoFi-Spirit in idealer Weise ein, zwischen Billy, Bruce Brand (dr) und Tub Johnson am Bass passt kein Blatt, die HEADCOAT-Maschine springt ohne zu stottern an. Das Album überzeugt dabei auf voller Distanz. Schon der krachende Opener trifft ins Schwarze, mit einer beinahe werkgetreuen Version vom RAMONES-Song „The KKK took my baby away“ geht’s los, das Titelstück „Man trap“, ein alter HEADCOATS-Song (vergangenes Jahr mit Keith Grant bei den HC-SECT neu aufgelegt), hält das Niveau ebenso wie die Neufassung der MIGHTY CAESARS-Nummer „Double axe“. Spannend, auch weil es mit dem folkigen Psych-Ansatz weit abseits der Tonalität des restlichen Repertoires liegt, wird’s bei „Modern terms of abuse“, das in gänzlich anders arrangierter Fassung ebenfalls auf dem aktuellen HEADCOATS-Album zu finden ist. Weitere Cover sind „Paint it black“ von den ROLLING STONES (etwas uninspiriert!), die DEAD MOON-Nummer „Walking on my grave“, „He’s gonna kill that girl“ (noch mal RAMONES) und sogar „The money will roll right in“ von MUDHONEY, Zudem gibt’s eine überarbeitete Fassung des Live-Favoriten „Davy Crocket“ mit neuem Text namens „James Bowie“. Unterm Strich steht hier ein sehr willkommener Wiederbeginn, der sich nicht rechtfertigen muss, weil’s einfach Spaß macht.
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